Eiersalat
Eine Frau geht seinen Weg. Der neue Roman von Helge Schneider

von Helge Schneider

€ 8,30
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Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Format: Taschenbuch
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 128 Seiten
Erscheinungsdatum: 25.02.1999

Rezension aus FALTER 12/1999

Da haben wir den Salat

"Eine Frau geht seinen Weg": Das erstaunliche Debüt der 48jährigen Autorin Helga Maria Schneider.
Schon der erste Satz des Buches erzeugt einen Sog, dessen Wirkung man sich kaum entziehen kann: "Verdammt!" Klarer, knapper, radikaler kann man (Schneider würde selbstverständlich schreiben: frau) sich nicht ausdrücken. Und in der Tonart geht es munter weiter.
Die Informationen, die wir über die bisher vollkommen unbekannte Autorin haben, sind dürftig. In einer nicht näher genannten Großstadt 1951 geboren, Absolventin der berufsgenossenschaftlichen Gärtnereizunft zu Bern, 1992 aus der Ökumene ausgetreten. Mehr Vorwissen ist aber auch gar nicht notig. "Eiersalat" ist ohnedies ein so schonungsloser Lebensbericht, daß hinterher kaum Fragen offenbleiben.
Das Buch ist die Geschichte einer Frau, die sich spät, dafür aber umso radikaler emanzipiert hat. Männer spielen in ihrem Leben keine Rolle mehr - und wenn, dann keine dankbare. Nur zum Zeugen sind sie zu gebrauchen: "Fick mich!" blafft sie, wenn es notig ist, den Mann ihrer Wahl an - und dem bleibt dann gar nichts anderes über. Die stämmige Helga Maria ist den Männern nämlich nicht nur intellektuell überlegen.
Zweimal läßt sich Helga Maria schwängern. Einmal von einem Surfbrettverleiher namens Spiros in Griechenland - das Ergebnis ist leider ein Junge, den die enttäuschte Mutter "Unbekannter" nennt und bereitwillig der Obhut des Vaters überläßt (als ihr der Sohn Jahre später wieder begegnet, meldet sie ihn der Ausländerbehorde, und er wird abgeschoben). Beim zweiten Mal verläuft die Sache erfolgreicher: Sie bringt ein gesundes Mädchen zur Welt, tauft es Amaryllis - und bricht den Kontakt erst ab, als sie dahinterkommt, daß die Tochter sich mit "Mannszeug" eingelassen hat.
Eine Frau geht seinen Weg" - der Untertitel spricht Bände. Das Beispiel Helga Maria Schneider sollte auch attraktiveren Frauen Mut machen, künftig selbstbewußter durchs Leben zu gehen: Was immer frau tun will, kann sie auch tun. Die Autorin hat es vorgelebt: Unter anderem hat sie mit Erfolg eine "feministische Autowerkstatt und Sattlerei" eroffnet, sie ist mit einer BMW-Maschine quer durch Afrika (zum internationalen Afrika-Frauentreffen in Burundi) gefahren und als blinder Passagier nach Buenos Aires. Vor allem aber hat Helga Maria Schneider vorgelebt, daß ein Leben ohne Männer nicht nur moglich, sondern auch lebenswerter ist.
Gerade deshalb warten nicht nur ihre "Schwestern", sondern auch wir "Scheiß-Jaucheschwengelstrategen" mit Spannung darauf, bald mehr von dieser erstaunlichen Autorin in unsere "Fut-Finger" zu bekommen.

Wolfgang Kralicek in FALTER 12/1999 vom 26.03.1999 (S. 15)


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