Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann
Wie moderner Fußball funktioniert

von Christoph Biermann, Ulrich Fuchs

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 19/2002

Während vom 31. Mai bis zum 30. Juni die halbe Welt an Fußballfieber erkranken wird, hat das von der Weltmeisterschaft glücklich verschonte Österreich Zeit und Muße, sich um die Theorie hinter dem Spiel zu kümmern. Und Bücher zu lesen, die das Wesen des Fußballs von seinen Grundlagen aufwärts erklären. "Wie moderner Fußball funktioniert", das versuchen jedenfalls die beiden deutschen Journalisten Christoph Biermann und Ulrich Fuchs zu vermitteln: Der Titel ihres neu aufgelegten Theoriewerks - "Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann" - spielt dabei auf einen essenziellen Charakterzug des Gegenwartsfußballs an: das enorme Tempo und die Fähigkeit eines geübten Teams, seine Strategie binnen weniger Sekunden zu variieren. Seriös und verständlich zerpflücken die Autoren die Kunst einer effektiven Angriffs- und Verteidigungsführung und erläutern kundig die Unterschiede zwischen der ungarischen Taktik der Fünfzigerjahre, dem brasilianischen Stil der Achtzigerjahre und jenen Strategien und Konzepten, die in den Köpfen heutiger Trainer brodeln. Das alles ist eingebettet in Exkurse über die Geschichte des schnellen Spiels um Ball und Tore.

Martin Droschke in FALTER 19/2002 vom 10.05.2002 (S. 60)


Rezension aus FALTER 9/2000

Wer den modernen Fußball richtig "lesen" will, sollte zuerst das Buch von Christoph Biermann und Ulrich Fuchs lesen.
Mit der Viererkette verhält es sich wie mit der Zivilgesellschaft: Viele fordern sie, aber nur Wenige wissen, was darunter zu verstehen ist. Also: Erstens bedeutet Viererkette, dass vier Verteidiger auf einer Linie spielen; zweitens gibt es auch eine offensivere Variante der Viererkette, in der die Außenspieler sowohl offensiv als auch defensiv agieren; drittens wird die Bedeutung der Viererkette grundsätzlich überschätzt.
Die Debatte um Für und Wider der Viererkette ist nicht zuletzt ein Symptom für die Verunsicherung, die der moderne Fußball unter Fans und Reportern auslöst. Es wird immer schwieriger, eine Mannschaft einem bestimmten "System" zuzuordnen. Umso verdienstvoller ist der Versuch, den die deutschen Journalisten Christoph Biermann (Süddeutsche Zeitung) und Ulrich Fuchs (Fachblatt Hattrick) in einem sehr fachkundigen, aber dennoch einfach zu lesenden Paperback unternommen haben. Unter dem programmatischen Titel "Der Ball ist rund, damit das Spiel seine Richtung ändern kann" versprechen die Autoren zu erklären, "wie moderner Fußball funktioniert" (Untertitel). Eine Fußballmannschaft braucht ein System, in dem die Positionen der einzelnen Spieler festgelegt werden, und sie braucht eine auf den jeweiligen Gegner abzustimmende Taktik. Vor allem aber braucht eine moderne Fußballmannschaft, so Biermann und Fuchs, etwas Drittes: eine Philosophie, einen Stil. "Der Stil einer Mannschaft drückt auch eine Idee von Fußball aus. Ist er temperamentvoll oder unterkühlt, destruktiv oder kreativ, flexibel oder eher statisch, kämpferisch oder verspielt, elegant oder hölzern?" Stilbildend für eine Mannschaft wirke der Trainer, der im besten Fall zum "Autor des Spiels" werde. Beispielhaft wird der legendäre Milan-Trainer Arrigo Sacchi zitiert: "Ich bin nicht berühmt geworden wegen meiner Siege, sondern wegen der Art und Weise, wie wir gesiegt haben - das ist, was zählt." Das Buch lässt die verschiedenen Systeme der Fußballgeschichte Revue passieren und stellt dann die These auf, dass diese Systeme im modernen Fußball immer mehr an Bedeutung verlieren. Der von den Holländern um Johan Cruyff in den Siebzigerjahren erstmals praktizierte "totale Fußball" (alle spielen alles) ist nach wie vor das Maß aller Dinge; Solisten wie "der Mittelfeldregisseur" oder "der Mittelstürmer" sind aussterbende Gattungen (als "Paradebeispiel" dafür führen die Autoren übrigens Toni Polster an). Gleichzeitig entwickelt sich das Spiel zurück zum "Haufenfußball" der frühen Jahre. Obwohl die Dimensionen des Spielfeldes unverändert geblieben sind, hat sich jene Zone, in der das Spiel tatsächlich stattfindet, auf eine Fläche von 50 mal 40 Meter verengt. Das heißt: Die meisten Spieler sind da, wo auch der Ball ist, und es gilt, möglichst in jeder Situation ein "Überzahlspiel" aufzubauen. Die Räume werden immer enger. Für den Fußball bedeutet das einerseits, dass es immer schwieriger wird, ein "schönes" Spiel aufzuziehen. Andererseits bleibt den Spielern gar nichts anderes übrig, als sich mit perfektem Kombinationsspiel auf engstem Raum zu behelfen. Nie waren technische Fertigkeiten gefragter als heute. Der Solist hat ausgedient, jetzt heißt es: Elf Solisten sollt ihr sein. "Es wird keine Revolutionen im Fußball mehr geben", meint Dynamo-Kiew-Trainer Valeri Lobanowski. "Aber es wird sich die volle Universalisierung durchsetzen, also die Intensität des Spiels dramatisch anwachsen und damit seine spektakuläre Seite."

Wolfgang Kralicek in FALTER 9/2000 vom 03.03.2000 (S. 59)


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