Ravelstein
Roman

von Saul Bellow

€ 20,50
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Übersetzung: Willi Winkler
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 272 Seiten
Erscheinungsdatum: 15.08.2000

'Ein intelligentes Feuerwerk in bester Bellow-Manier'
Ravelstein ist berühmt und hat ein Netzwerk von Freunden in der ganzen Welt. Als Philosophieprofessor an einer amerikanischen Universität war er verehrt, reich wurde er als Bestsellerautor und konnte sich dann endlich den Luxus leisten, den er Zeit seines Lebens geliebt hat.
Aber Ravelstein muss bald sterben. In Paris trifft er noch einmal seinen alten Freund Chick, einen amerikanischen Schriftsteller. Chick, Ich-Erzähler des Romans, soll Ravelsteins Biografie schreiben, gnadenlos offen und ungeschminkt. Beim eleganten Souper mit Chicks junger Frau und Ravelsteins schönem Liebhaber, beim Flanieren und Einkaufen oder im Café Flore diskutieren die beiden Freunde Ravelsteins Leben, gemeinsame Erlebnisse, und sie mokieren sich über den Niedergang der amerikanischen Kultur, über den Ravelstein sein berühmtes Buch geschrieben hat. Aus diesen Gesprächen und Rückblenden entsteht Ravelsteins Leben, die Biografie, an der Chick arbeitet und in der sich auch sein eigenes Leben spiegelt.
Der Roman, wie oft bei Saul Bellow voll autobiografischer Züge, besticht durch amüsante Anekdoten und Aperçus, wunderbar erzählte Episoden und treffende Charakterisierungen. Es ist ein Genuss, Saul Bellow zu lesen.Endlich wieder ein Roman des amerikanischen Nobelpreisträgers Saul Bellow. Er erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen dem weltberühmten Bestsellerautor Ravelstein und dem amerikanischen Schriftsteller Chick und setzt sich dabei geistreich und sarkastisch mit seiner Zeit auseinander. Saul Bellow wurde am 10. Juni 1915 in Lachine/Quebec als Sohn jüdisch-russischer Einwanderer geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Montreal, 1924 zog die Familien nach Chicago. Dort besuchte er die Tuley High School und studierte später Anthropologie und Soziologie an der Northwestern University. Bellow übte verschiedene Tätigkeiten aus, bevor er seit 1938 dauerhaft an verschiedenen amerikanischen Universitäten lehrte, unter anderem an Princeton und an der Universität von Chicago. Am 5. April 2005 starb der Schriftsteller in Brookline, Massachusetts, im Alter von 89 Jahren. Bellow war mehrmals verheiratet und hatte vier Kinder. Saul Bellow selbst erhielt für sein umfangreiches literarisches Werk zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Nobelpreis für Literatur 1976.

Rezension aus FALTER 49/2000

Endlich doch ein neuer Roman des 85-jährigen Literaturnobelpreisträgers, von dem es in den letzten Jahren schien, als wollte er sich auf das Schreiben von Novellen beschränken. "Ravelstein ist nicht bloß ein autobiografisches Buch, es ist sogar ein Schlüsselroman, dessen Erscheinen in Amerika eine Diskussion darüber auslöste, in welchem Maß es moralisch legitim sei, lebende Menschen in wiedererkennbare Romanfiguren zu verwandeln. Kaum verhüllt schildert Saul Bellow die Geschichte seiner Freundschaft mit dem konservativen, homosexuellen Soziologen Allan Bloom. Wie dieser kommt Ravelstein mit einem einzelnen Buch zu Reichtum, genießt sein Leben als internationale Berühmtheit in vollen Zügen und geht in stoischer Gelassenheit seinem Aids-Tod entgegen.
"Ravelstein" ist kein bleibendes Meisterwerk wie "Der Regenkönig" oder "Mister Sammlers Planet", es ist aber auch kein Fehlschlag wie Bellows letzter Roman "Mehr noch sterben an gebrochenem Herzen". Es gibt sehr wenig Handlung darin: Der Erzähler (ein erfolgreicher Schriftsteller, der in so ziemlich allen Punkten mit Bellow übereinstimmt) und Ravelstein treffen sich in noblen Restaurants mehrerer Städte, essen, rauchen Zigarren und debattieren über Liebe und Tod, gescheiterte Ehen, moderne Politik und antike Philosophie. Lange schon war Bellow nicht mehr so heiter: "Seltsam, dass ausgerechnet die Wohltäter der Menschheit eher komisch sind." Von diesem ersten Satz an bewegt er sich souverän auf verschiedenen Zeitebenen, blendet vor und zurück und kehrt immer wieder zu den beiden Protagonisten zurück, deren Unterhaltungen bei aller Fröhlichkeit dadurch eine hintergründige Tragik bekommen, dass beide wissen, dass der eine von ihnen sterben und der andere leben wird, um von ihrer Freundschaft zu berichten.
Dem Vernehmen nach soll Bloom Bellow unmissverständlich dazu aufgefordert haben, nach seinem Tod über ihn zu schreiben; die gleiche Forderung stellt Ravelstein an den Erzähler. Nach Ravelsteins Tod bleibt dieser allein zurück, um an einem Buch zu arbeiten, ähnlich dem, welches Bellow hier geschrieben hat. Eine verwirrende Folge von Spiegelungen? Sicher. Und ein Grund mehr, Ravelstein zu lesen.

Daniel Kehlmann in FALTER 49/2000 vom 08.12.2000 (S. 62)


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