Leichte Mädchen

von Malin Schwerdtfeger

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Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

In "Leichte Mädchen" beschreibt Malin Schwerdtfeger den unverkrampften Pragmatismus ihrer Generation und beweist, dass das gute alte Erzählen keine Frage des Alters ist.

Wer heute damit beschäftigt ist, erwachsen zu werden, kann von seinen Eltern keine Hilfe mehr erwarten. Wer nach 1970 geboren wurde, muss sich mit Vätern und Müttern herumschlagen, die selbst noch alle Hände voll damit zu tun haben, an ihrer eigenen Biografie zu basteln. Von Glück kann da reden, wer nicht allzu viel Energie dafür aufbringen muss, seine Erzeuger ins rechte Gleis zu bringen.

Malin Schwerdtfeger wurde 1972 geboren, und hier soll nicht darüber spekuliert werden, welche Erfahrungen sie beim Erwachsenwerden machen musste. Es geht hier allein um acht kurze Erzählungen, die von leichten Mädchen handeln, von jungen weiblichen Wesen, die nach 1970 geboren wurden. Zwar kommen auch "leichte Mädchen" im anrüchigen Wortsinn vor, aber die Leichtigkeit aller Heldinnen äußert sich doch eigentlich darin, dass sie das Leben leicht nehmen - leichter als ihre Eltern, die sich in irgendwelche Sackgassen verrannt haben.

Es sind Töchter, die gelernt haben, mit ihrer Mutter (Väter führen in diesem Buch allenfalls Schattenexistenzen) die Rolle zu tauschen, die sich gar nicht mehr besonders darüber aufregen, wenn sie für Ordnung im Wohnzimmer sorgen müssen, die sich aber auch die Freiheit nehmen, Mamas Liebhaber aus der gemeinsamen Wohnung zu komplimentieren, wenn der sich partout nicht zu benehmen weiß.

Schwerdtfeger erzählt da klassische Komödienstoffe, wie man sie freilich kaum mehr auf der Bühne, sondern nur noch in einer gewissen Sorte deutscher Filme sieht. Die leichten Mädchen verkörpern in ihrem spontanen Pragmatismus die lebenspraktische Überlegenheit einer ganzen Generation, die sich gleich gar nicht die Mühe macht zu jammern, weil sie weiß, dass es sich ja doch nicht lohnt.

Früher hätte man eine solche Haltung "patent" genannt, ein schreckliches Wort, denn es klingt nach Altklugheit und einem selbstverständlichen Einvernehmen mit der Welt, wie sie ist. Den leichten Mädchen ist die Welt egal, sie leben ihren eigenen Stiefel, als Polinnen in Berlin, als Studentinnen in Jerusalem, als tatsächlich leichte Mädchen irgendwo in der deutschen Provinz. Offenbar gehören auch sie zu den Hervorbringungen der Globalisierung. Kein Zufall also, dass die letzte Erzählung den Titel "In aller Welt" trägt und die Grenze der Erzählung im herkömmlichen Sinn überschreitet: Sie liest sich wie das Protokoll einer ausschweifenden Fantasie, in der die leichten Mädchen die Herrschaft über die Welt schlechthin gewonnen haben. Frauenpower light.

Nur in diesem letzten Text gönnt sich Schwerdtfeger ein wenig Freiheit, über ihre ansonsten ganz traditionelle Erzählweise hinauszugehen. Die beherrscht sie, was Timing, Dialoge und Pointen betrifft, mit schlafwandlerischer Sicherheit. Denn auch daran erkennt man wohl die leichten Mädchen: dass sie ganz selbstverständlich der Überzeugungskraft der guten alten Erzählung vertrauen, an der eigentlich schon ihre Großeltern gezweifelt haben. Das werden sie ihren Töchtern eines Tages vielleicht doch erklären müssen.

Tobias Heyl in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 5)


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