Café Saratoga
Roman

von Malin Schwerdtfeger

€ 20,10
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Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 288 Seiten
Erscheinungsdatum: 17.08.2001

Nach dem erfolgreichen Erzählungsband Leichte Mädchen jetzt Malin Schwerdtfegers erster Roman
Malin Schwerdtfegers erster Roman erzählt vom Erwachsenwerden, von Liebe und Freundschaft, in einem neuen, wildpoetischen, unverwechselbaren Ton. Für die beiden Schwestern Sonja und Majka, zwei Mädchen in der Pubertät, ist die polnische Halbinsel Hel in ihren Sommerurlauben ein Ort der Abenteuer und Erweckungen, besonders das Café Saratoga, das ihr Vater von der steinalten Tante Apolonia übernimmt. Das Meer, die eigenen Körper, die Männer, die Landschaft werden entdeckt, mit Sorge, Lust und Schrecken beobachtet, die Komik und das Verhängnis der Liebe frühzeitig registriert. Aber was für die Mädchen Hel ist, ist für den Vater, der mit seiner kindischen, vitalen Verrücktheit alle, auch die von ihm geschiedene Frau, an sich kettet, Westdeutschland. Eines Tages, die Familie hat deutsche Vorfahren, kann Tata ausreisen. Die ganze Familie, auch die schimpfend-kränkelnde Mutter Lilka, folgt.
Sonja, die Ich-Erzählerin, wird in diesen Jahren, angefeuert von ihrem Vater, den sie abgöttisch liebt, zögerlich zur Frau, und wieder verändert sich die Welt. Nur der verrückte Tata, den man auch als Leser einfach lieben muss, bleibt sich ewig gleich. Malin Schwerdtfegers erster Roman erzählt mit poetischer Rasanz, mit kluger Komik und feiner Beobachtungsgabe vom Erwachsenwerden, von polnischen und deutschen Mentalitäten, von scheiternden Ehen und bedingungsloser Liebe, von Freundschaft und Aufbruch.
'Stairway to Heaven hatten die Sterne gespielt, jede Nacht, und damit das Brüllen des Meergottes Gosko übertönt, das Brüllen, mit dem Gosko, der Eifersüchtige, gegen die Halbinsel angerannt war, Nacht für Nacht, weil dort seine Frauen und Töchter waren und mit meinem Vater schliefen. Aber Gosko hatte meinem Vater nichts anhaben können, dessen Kinder dieselbe Farbe hatten wie die blaugrüne Dünendistel, in die Gosko seine Nebenbuhler gern verwandelte. Damals war Hel der Mittelpunkt der Welt gewesen, und die Sterne waren über meinem und Tatas Kopf gekreist, sie hatten die Erde mit ihrem Lärm erfüllt, und ihre Riffs reichten vom Himmel bis hinunter in die Hölle. Dann hatte Tata den Mittelpunkt der Welt mitgenommen, und von da an war er immer dort gewesen, wo Tata gewesen war. Jetzt hatte Tata ein neues Kind gezeugt. Es würde ein Junge werden wie Henryk, es würde einen schwarzen Schwanz haben, und Tata würde ihm die Welt erklären.' Malin Schwerdtfeger, 1972 geboren, studierte Judaistik und Islamwissenschaft und lebt als freie Autorin in Berlin. In Klagenfurt erhielt sie bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur 2000 einen Preis für eine der Erzählungen aus ihrem Debütband Leichte Mädchen (KiWi 614). Nach dem großen Erfolg ihres Romandebüts Café Saratoga ist Delphi ihr zweiter Roman. 

Rezension aus FALTER 49/2001

Dieses Frühjahr debütierte Malin Schwerdtfeger mit einem Erzählband ("Leichte Mädchen") - rein äußerlich eine von diesen vielen jungen Frauen, deren Manuskripte seit einiger Zeit gedruckt werden, tatsächlich aber eine Autorin, die erzählen kann und die etwas zu erzählen hat. Dass sie auch die große Form, den Roman also, beherrscht, bestätigt "Café Saratoga", eine, gelinde gesagt, komplizierte Familiengeschichte, die in den Jahren um die Wende ihren Höhepunkt erreicht. Es ist der Bildungsroman einer ganz jungen Frau, die sich unversehens vom einen politischen System ins andere verpflanzt sieht, es ist aber auch ein Entwicklungsroman aus der letzten dramatischen Phase der Pubertät, der keine nur denkbare Körperflüssigkeit auslässt. Schließlich handelt dieser Roman auch noch vom überaus komplizierten Verhältnis zwischen den Polen und den Deutschen - eigentlich wäre hierfür also Günter Grass zuständig. Schwerdtfeger nutzt die Chance der zeitlichen und wohl auch biografischen Distanz. Wo sie komisch ist, zwinkert sie nicht auch noch mit den Augen, wo ihre Figuren verwackelt sind, genügt ihr das als Effekt, mit ihrem sicheren Blick für Kleinigkeiten zeichnet sie politische und historische Widersprüche vielleicht schärfer, als sie mit einer kühnen epischen Apparatur zu erkennen wären. So gewinnt man vielleicht keinen Nobelpreis, die Klagenfurter Jury, die Schwerdtfeger letztes Jahr ein Stipendium der unabhängigen Plattform kulturinteressierter Kärntner zusprach, kann sich jedoch bestätigt fühlen.

Tobias Heyl in FALTER 49/2001 vom 07.12.2001 (S. 76)


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