Klebstoff

von Irvine Welsh

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Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 28/2002

Das jüngste Buch des schottischen Erfolgsautors Irvine Welsh wird sich Vergleiche mit dem Welt-Hit "Trainspotting" gefallen lassen müssen. Denn auch "Klebstoff" handelt von einer Gruppe junger Männer, die in trostloser Umgebung aufwachsen und sich die Zeit gerne mit Bier und Drogen, Raves und Sex, Kleinkriminalität und Schlägereien bei Fußballspielen vertreiben.

Welsh verfolgt den Lebensweg des in der Jugend unzertrennlichen Vierers Billy, Carl, Terry und Andrew. Dabei beschränkt er sich auf Einblicke in die entwicklungstechnisch wichtigen Lebensjahre sechs (Einschulung), 16 (erster Sex, erste Drogen), 26 (langsames Erwachsen- und Sesshaftwerden) und 36 (war das schon alles?). In dem enorm handlungsstarken Buch lässt der Autor abwechselnd das Sport-As Billy, den introvertierten DJ Carl, den Ganoven und Sex-Maniac Terry sowie das Sorgenkind Andrew von ihren Bemühungen erzählen, in einem schlechten Viertel Edinburghs eine halbwegs gute Figur abzugeben.

Über die Jahre verlieren sich die jungen Männer, wie das eben so ist, ein wenig aus den Augen. Carl jettet als erfolgreicher Plattenreiter und später als Aussteiger um die Welt, Billy führt nach dem Ende seiner Boxkarriere eine schicke Bar, Andrew sitzt zweimal eher schuldlos ein, während der Potenz-Protz Terry mit dem Schwinden seiner Ausstrahlung und einem Bierbauch hadert. Als sich jedoch Andrew in einer kurzen Heroin-Phase mit dem HI-Virus infiziert und danach Selbstmord begeht, schweißt das die Freundschaft der drei Übriggebliebenen wieder zusammen.



Von dem milieumäßig ähnlich gelagerten "Trainspotting" unterscheidet sich "Klebstoff" vor allem darin, dass Welsh mittlerweile mehr Wert auf eine runde Gestaltung der Geschichte und der Figuren legt. Generell ist der neue Roman deutlich konventioneller ausgefallen - und kann durchaus als die moderne Fassung eines Entwicklungsromans (in Zeiten von Ecstasy) gelesen werden.

Dabei macht der jüngste Roman des schottischen Erfolgsautors trotz der gewohnt derben Ausdrucksweise der Figuren noch stärker als zuletzt "Drecksau" deutlich, dass Welsh eigentlich ein konservativer Moralist unserer Tage ist. Und "Klebstoff" ist insgesamt kein wildes, sondern vielmehr ein recht betuliches Buch, das - nach kurzen Glanzlichtern und deutlichen Längen - zum Schluss in einem nur pseudoironischen, in Wahrheit aber kitschig-pathetischen Happy End ersäuft.

Sebastian Fasthuber in FALTER 28/2002 vom 12.07.2002 (S. 52)


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