Unter Hunden

von Arthur Bradford, Susanne Goga-Klinkenberg

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Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum: 01.01.2002


Rezension aus FALTER 4/2003

Mit seinen abseitigen Storys "Unter Hunden" hat der US-Jungstar Arthur Bradford schnell viele Fans gewonnen und einige Kritiker verstört.

Sie werden mich zweifellos für seltsam halten, wenn ich Ihnen sage, dass ich mit dem Hund meiner Freundin geschlafen habe. Aber dies ist nicht mein beunruhigendstes Geheimnis. Unsere Affäre begann eines Nachmittags mit fortschreitendem Streicheln und Kuscheln. Wir beide, ich und der Hund, waren anschließend ziemlich ratlos. Wir saßen da, waren überrascht, wie sich die Dinge entwickelt hatten. In diesem Licht hatten wir einander noch gar nicht betrachtet. Doch wenn wir danach allein waren, verfielen wir wieder in dieses Verhalten."

Auch wenn man weder ein Fan von Hunden noch von Short Stories ist: Spätestens hier, in der schlicht mit "Hunde" betitelten zentralen Geschichte des Bandes "Unter Hunden" lässt sich nicht mehr leugnen, dass der Amerikaner Arthur Bradford mit verrückten Ideen und einer naiv-lakonischen Sprache jenes gewisse Etwas erschafft, das manche Bücher aus den Legionen von mehr oder weniger ähnlich gestrickten Belletristiktiteln heraushebt und mit dem Hunger nach mehr zurücklässt.

Dazu muss der Schmöker keineswegs so voluminös sein, wie es der von Wälzern wie Jonathan Franzens Megahit "Die Korrekturen" getragene Trend zum gepflegten 800-Seiter momentan nahelegen würde. Bradford langen knapp 160 Seiten, um uns mit einfachen Mitteln zu zeigen, dass das Hundeleben vieler Menschen im Prinzip gar nicht so schlecht ist - und dass auch Hunde nur Menschen sind.

"Unter Hunden" betrachtet die Welt aus der Sicht eines jungen Mannes, den man gemeinhin als Verlierertypen oder Anti-Helden bezeichnen würde; der ein Leben in Bruchbuden und seltsamen Wohngemeinschaften führt, so gut wie nie arbeitet und vor allem null Motivation hat, daran etwas zu ändern. Wozu auch? Denn unzufrieden ist Bradfords namenloser Slacker durchaus nicht. Er kann sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen (am Kauf eines Lattenrosts etwa) sowie an der (nicht nur sexuellen) Gesellschaft von Hunden, die in den Storys bisweilen wie Menschen auftreten.

Mit seinen bizarren Geschichten und einer unverkrampften Schreibweise hat Bradford, Jahrgang 1969, neben einem begeisterten jungen Publikum schnell eine Reihe prominenter Fans gewinnen können, so etwa seine Schriftstellerkollegen David Foster Wallace, Zadie Smith oder Dave Eggers, in dessen Magazin McSweeney's er erste Arbeitsproben veröffentlichte. Das Urteil der weniger wohlwollenden Kritiker aber, die ihm Effekthascherei und thematische Abseitigkeit um ihrer selbst Willen vorwarfen, unterlief er in einem Interview mit schnoddriger Selbstkritik: "Die Geschichten sind natürlich ziemlich drüber. Aber nicht als Selbstzweck. Tatsächlich habe ich die Storys nicht einfach in einer Stunde hingeschrieben, sondern mir sehr viele Gedanken gemacht und hart an jedem einzelnen Satz gearbeitet. Naja, bei manchen habe ich vielleicht zu früh aufgegeben."

Sebastian Fasthuber in FALTER 4/2003 vom 24.01.2003 (S. 56)


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