Nachts ist es leise in Teheran
Roman

von Shida Bazyar

€ 20,60
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Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 288 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.02.2016


Rezension aus FALTER 22/2016

Operierte Nasen statt Emanzipation

Ein Roman, der dem deutschsprachigen Publikum die jüngere iranische Geschichte auf raffinierte Weise näherbringt, ist Shida Bazyars Debüt „Nachts ist es leise in Teheran“. Die Autorin erzählt über historische Ereignisse anhand der Wahrnehmungen einer fünfköpfigen Familie, alle paar Jahre wechselt die Perspektive. Die Handlung setzt 1979 ein, kurz nach der Vertreibung des Schahs – noch ist offen, ob die Kleriker oder die Kommunisten die Macht übernehmen –, und endet mit einem Epilog aus der Sicht der jüngsten Tochter. Bazyar beginnt mit der Sicht des Vaters Behsad, der dafür kämpft, dass aus dem Iran ein zweites Kuba wird.
Zehn Jahre später erzählt seine Frau Nahid von der Flucht nach Deutschland, vom zermürbenden Warten auf den Asylstatus, auf Nachricht von inhaftierten Freunden. Und von den drei Kindern, denen sie zum persischen Neujahrsfest Eyde Nowrus statt des Korans das kommunistische Manifest schenkt. Laleh, die Erstgeborene, ist bald überintegriert, sie schreibt gute Noten, um nicht aufzufallen. Ihr Bruder Morad kommt 2009 als planloser Geografiestudent zu Wort, für den Deutschland nie Exil, sondern immer kritisch beäugte Heimat war.
Bazyar hat einen genauen Blick für die Verwerfungen zwischen den Iranern, die bangend im Exil oder schweigend unter dem Regime leben. Im Gottesstaat etwa sind Drogen billiger als Milch: „Dieses Volk braucht das Opium, um vor der Religion zu flüchten“, erzählen die Verwandten.
Die Frauen dürfen zwar studieren, finden aber keine Arbeit, in der Ehe haben sie kaum Rechte. In der Öffentlichkeit müssen sie unsichtbar sein, werden trotzdem ständig begrapscht; sind sie unter sich, kompensieren sie die Unterdrückung mit dicker Schminke und operierten Nasen.
Asyl in Deutschland bedeutet ebenso wenig Anerkennung und Glück: Zwar hatte die DDR den verfolgten iranischen Kommunisten bei der Flucht geholfen, sie aber gleich in die BRD abgeschoben. Im wiedervereinten Deutschland enden die Berichte über die Teheraner Straßenschlachten, als Michael Jackson stirbt. Ein starkes Debüt.

Dominika Meindl in FALTER 22/2016 vom 03.06.2016 (S. 32)


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