Rückwärtswalzer
oder Die Manen der Familie Prischinger

von Vea Kaiser

€ 22,70
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Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 432 Seiten
Erscheinungsdatum: 07.03.2019


Rezension aus FALTER 12/2019

Ein gutes Papperl renkt fast alles wieder ein

Lorenz Prischinger ist verzweifelt. Der einstige Lateinstudent und ebenfalls ehemalige Nachwuchsschauspieler hatte schon lang keinen Job mehr. Dafür ist er süchtig nach Online-Shopping. Dann verlässt ihn auch noch seine Freundin. Wenn du sonst niemanden mehr hast, gibt es ja immer noch die Familie: Lorenz findet bei seinen Tanten Unterschlupf. Goodbye Mariahilf, hello Liesing!

Vea Kaiser hat es wieder getan. Mit „Rückwärtswalzer oder Die Manen der Familie Prischinger“ legt sie ihren neuen Roman vor, er folgt auf das Debüt „Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ und „Makaronissi oder Die Insel der Seligen“. Die 30-Jährige hat früh ihren Stil gefunden. In puncto Titel, Aufbau, Um-fang, Sprache und Handlung weisen die Bücher einige Gemeinsamkeiten auf. Auch im jüngsten geht es um Familienbande, um kleine Begebenheiten und um große, sorgsam gehütete Geheimnisse. En passant wird auch wieder ein wenig griechische Mythologie vermittelt. Streckenweise darf es traurig-tragisch werden, doch im Grunde ist Kaiser eine Komödiantin. Mit viel Verve stürzt sie sich und den Leser in die skurrilen Szenen, die sich in einer Familie abspielen.

Die Autorin erzählt ohne Hektik. Anfangs beschleicht einen das Gefühl, sie könnte ihren prall gefüllten literarischen Suppentopf diesmal zu sehr verdünnt haben. Lorenz ist eine etwas farblose Gestalt. Und bis man die drei Tanten, die Mirl, Wetti und Hedi heißen, unterscheiden kann, dauert es seine Zeit. So putzig, wie er zunächst auftritt, ist dieser Roman jedoch nicht. Mag sein, dass ein gutes Papperl, wie es im Hause Prischinger immer am Herd steht, fast alles wieder einrenkt.

Über das Essen offenbart sich aber auch der Charakter. In einer Rückblende, wir schreiben das Jahr 1953, lobt ein ehemaliger Nazi die Einmachsuppe von Mama Prischinger in pathetisch-martialischen Tönen. „Der klingt nicht wie ein Ehemaliger, sondern wie einer, der glaubt, die kommen zurück“, flüstert ein Kind dem anderen zu. Bei allem Hang zur Unterhaltung lässt Vea Kaiser auch Haltung durchblitzen.

Sebastian Fasthuber in FALTER 12/2019 vom 22.03.2019 (S. 35)


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