Der Mann im roten Rock

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Kurzbeschreibung des Verlags:


Julian Barnes nimmt uns mit auf eine Reise durch das Paris der Belle Époque.
Julian Barnes lässt uns teilhaben am Leben von Dr. Samuel Pozzi (1846–1918), dem damals bekannten Arzt, Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie und Freigeist, ein intellektueller Wissenschaftler, der seiner Zeit weit voraus war: So führte er Hygienevorschriften vor Operationen in Frankreich ein und übersetzte Darwin ins Französische. Julian Barnes zeichnet das Bild einer ganzen Epoche am Beispiel dieses charismatischen Mannes. Man kann Julian Barnes nur bewundern: Kenntnisreich, elegant und akribisch recherchiert, beschreibt er das privat turbulente Leben Dr. Pozzis und erzählt Kulturgeschichten über den Fin de Siècle und seine Protagonistinnen und Protagonisten: Maler, Politiker, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller. Dr. Pozzi reiste, um Erkenntnisse zu gewinnen, und stand für einen engen Austausch zwischen England und dem Kontinent. Julian Barnes beleuchtet diese fruchtbaren Beziehungen und schreibt zugleich ein spannendes Plädoyer, an der Idee Europas festzuhalten.

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FALTER-Rezension

Tanz auf dem Vulkan im Paris der Belle Époque

Heuer feiern wir 150 Jahre Marcel Proust. Natürlich kommt auch der Verfasser von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ vor, wenn der frankophile englische Schriftsteller Julian Barnes („Flauberts Papagei“) über das Paris der vorletzten Jahrhundertwende schreibt. Aber er steht nicht im Mittelpunkt. Dort hat sich selbstbewusst ein Mann in Stellung gebracht, der ebenfalls ein Star war: der Arzt Samuel Pozzi (1846–1918).

Der italienischstämmige Gynäkologe schaffte es aus dem Bürgertum der Provinz in die Pariser Salons. Als Modearzt seiner Zeit, der zahlreiche Affären hatte, könnte er eine halbseidene Figur abgeben. Tatsächlich war er in erster Linie ein Neuerer, Rationalist und Humanist, baute eine Klinik auf, in der nicht nur Reiche behandelt wurden, und führte die Medizin in Frankreich zu neuen Standards.

Als kunstsinniger Mensch sammelte Pozzi Gemälde und ­unterhielt Freundschaften mit Künstlern, Schauspielerinnen und ­Schriftstellern. ­Barnes dient diese schillernde Gestalt als Zentrum eines breit angelegten Epochenbildes. An seiner Hand unternimmt man einen Spaziergang durch die Belle Époque, die von den 1880ern bis zum Ersten Weltkrieg dauerte und geprägt war von einer Hochblüte der Kunst, vom Dandytum sowie von extremen politischen Spannungen. Der berühmte Tanz auf dem Vulkan.

Spannend ist, dass Barnes die Figuren nicht in Bezug auf ihren Nachruhm sortiert hat. So wird dem streitlustigen Skandalreporter Jean Lorrain mindestens ebenso viel Platz eingeräumt wie Proust oder Oscar Wilde. Der Autor urteilt auch nicht aus heutiger Perspektive darüber, was jemand vor über 100 Jahren angestellt hat. Er zeigt, was war. So ist der mit vielen Fotos und Gemälden bebilderte Band auch eine Schule des Schauens.

Einen Hintergedanken hatte ­Julian Barnes beim Schreiben von „Der Mann im roten Rock“ freilich: Angesichts des Brexit fürchtet er, dass die einst regen kulturellen Beziehungen zwischen Großbritannien und Frankreich einschlafen könnten. Dazu passt ein Zitat von Pozzi: „Chauvinismus ist eine Erscheinungsform der Ignoranz.“

Sebastian Fasthuber in Falter 3/2021 vom 22.01.2021 (S. 30)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783462054767
Ausgabe 3. Auflage
Erscheinungsdatum 14.01.2021
Umfang 304 Seiten
Genre Sachbücher/Natur, Technik/Biographien, Autobiographien
Format Hardcover
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Übersetzung Gertraude Krueger
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