Joseph Roth
Eine Biographie

von Wilhelm von Sternburg

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Genre: Sachbücher/Kunst, Literatur/Biographien, Autobiographien
Erscheinungsdatum: 27.02.2009

Rezension aus FALTER 21/2009

Dass Joseph Roth ein unerschlossener Kontinent wäre, lässt sich nicht behaupten. Aber der Todestag des Schriftstellers, der sich am 27. Mai zum 70. Mal jährt, war dem Verlag noch einmal eine Offensive wert: Die große Bildmonografie von Heinz Lunzer und Victoria Lunzer-Talos wurde neu aufgelegt, und der Journalist Wilhelm von Sternburg, der davor schon mit Biografien über Konrad Adenauer, Lion Feuchtwanger oder Erich Maria Remarque hervorgetreten ist, wurde mit einer Biografie beauftragt (die von David Bronsen aus dem Jahr 1974 ist mittlerweile vergriffen).
Herausgekommen ist ein umfängliches Werk, dessen Anmerkungsteil allein 70 Seiten umfasst, was für die Profundheit des Unterfangens spricht. Gegen den didaktischen Impetus, der neben Inhaltsangaben der wichtigsten Werke auch historische und landeskundliche Informationen bereithält, ist nichts zu sagen: Mindestkenntnisse über Geografie, Geschichte und Ökonomie Galiziens, aus dem neben Roth auch die Schriftsteller Bruno Schulz und der Roth-Spezl Soma Morgenstern stammen, sind zum Verständnis des Werkes unumgänglich. All das wird weitgehend chronologisch entlang der Werke und wichtigsten Wegbegleiter erzählt, in manchen Fällen (etwa im Zusammenhang mit Roths psychisch kranker Frau Friedl) erlaubt sich der Autor auch sinnvolle Vorausgriffe in die Zukunft.
Biografie ist ein eigenartiges Genre, es verleitet dazu, dem Objekt des Interesses "gerecht" werden zu wollen. Das führt hier zu Hinweisen wie dem, dass Roths "schillernde Persönlichkeit (…) sicher nicht mit psychoanalytischen Theorien allein zu erfassen" sei. Aber hallo! Auch auf Sätze wie "Es sind glückliche Monate. Wir vermuten das, ohne es wirklich belegen zu können" oder – der Tiefpunkt des ­Buches – die betulichen Ausführungen über Wesen und Erscheinungsformen des Alkoholismus ("Der Alkoholiker prahlt und schwätzt zwar gerne im Pub oder in der Bar, aber am liebsten trinkt er allein") hätte man doch gerne verzichtet. Sternburg mangelt es entschieden an Esprit, stilistischer Eleganz und Mut zur Perspektivierung – was für eine Roth-Biografie doch eher suboptimal ist.

Klaus Nüchtern in FALTER 21/2009 vom 22.05.2009 (S. 21)


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