Saddam Hussein
Porträt eines Diktators

von Con Coughlin

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Verlag: List
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 12/2003

Chronik Peter Scholl-Latour ist manchmal penetrant. Etwa wenn er seine Krisenszenarien mit pathetischen Metaphern ("die Kanzeln weinen in Samarkand") schmückt. Sich mit diversen Potentaten selbst ins Bild rückt. Oder sich brüstet, welche Entwicklungen er nicht alle vorhergesehen hat - und das schon vor Jahrzehnten, als seine Kollegen noch in den Windeln lagen. Andererseits kennt sich der mittlerweile 79-Jährige gerade deshalb besonders gut aus, weil er als Journalist bereits seit einem halben Jahrhundert durch die Welt tingelt. So spannt Scholl-Latour in seinem Buch, das er nicht als Analyse, sondern als Chronik versteht, seinen Bogen der Konfliktherde von der al-Qa'ida in Afghanistan bis zu den islamischen Uguren in China, vom Irak Saddam Husseins bis zum US-Verbündeten Usbekistan. Die USA, warnt er, würden sich bei ihrem Krieg gegen das Böse in zahlreiche, unberechenbare Regionalkonflikte verstricken - allerdings mit ein und demselben Feind. Denn der "Kampf dem Terror" sei in Wahrheit ein Kampf gegen die islamische Revolution, die im Gange ist. Das Fragezeichen am Buchtitel, sagt Scholl-Latour, wird immer kleiner.Neun mehr oder weniger bekannte Kritiker des "American way of life" - von Noam Chomsky über den Soziologen Richard Sennett, den Kommunikationsforscher Joshua Meyrowitz bis zum Historiker Gore Vidal - setzen sich in diesem Interviewband kritisch mit dem auseinander, was hinter den Kulissen der "Hypermacht" USA geschieht. Das Bild, das sie von der einzig verbliebenen Führungsmacht zeichnen, ist deprimierend: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung habe sich vollständig von der Politik verabschiedet, jeder Kandidat müsse für einen Sitz im Senat durchschnittlich 7,3 Millionen Dollar ausgeben, Steuersenkungen kämen nur den drei Prozent der Bevölkerung mit dem höchsten Einkommen zugute. Nicht nur Vizepräsident Dick Cheney und Präsident Bush senior seien durch Öl reich geworden, sondern auch George W. Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Sie hat fünf Jahre im Vorstand des Ölmultis Chevron gearbeitet.Den irakischen Diktator zu porträtieren ist mühsam. Viele seiner Wegbegleiter und ehemaligen Verbündeten hat Saddam Hussein ermorden lassen. Zeugen seines unmenschlichen Regimes schweigen lieber. Weil sie um ihre Verwandten, die noch im Irak leben, bangen. Der Chefredakteur des Sunday Telegraph, vorher langjähriger Korrespondent im Mittleren Osten, sicherte daher seinen Gesprächspartnern Anonymität zu. In seinem Buch beschreibt der Journalist akribisch Husseins Karriere zum Despoten. Von der Kindheit des Waisen Saddam, der bei seinem Onkel, einem Nazisympathisanten, aufwuchs, bis zu dessen Engagement bei der Baath-Partei. Schon in jungen Jahren pflegte Hussein politische Gegner kurzerhand aus dem Weg zu räumen. 1968 kam er mit seinen Gefährten durch einen Staatsstreich an die Macht, zehn Jahre später war er bereits Präsident. Con Coughlin skizziert in seinem Buch auch, wie der Tyrann zu einem globalen Sicherheitsrisiko werden konnte und nimmt dabei westliche Staaten mit in die Verantwortung. In den Siebzigern lieferte Frankreich atomare Technik nach Bagdad, deutsche Firmen halfen ihm bei der Errichtung von Chemiewaffenfabriken, die USA stützten Hussein im Krieg gegen den Iran.

Christopher Wurmdobler in FALTER 12/2003 vom 21.03.2003 (S. 15)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Kampf dem Terror - Kampf dem Islam? (Peter Scholl-Latour)
Die Hypermacht

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