Grundlagen der Biographik
Theorie und Praxis des biographischen Schreibens

von Christian Klein

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Metzler
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 49/2002

Der vielleicht auffälligste Trend des deutschsprachigen Buchmarkts 2002 war die Wiederentdeckung der (Auto-)Biografie. Selten zuvor erschienen hierzulande so viele neue Lebensdarstellungen wie heuer, selten waren sie so prominent in den Bestenlisten vertreten - von der minutiösen Beamtenbiografie Franz Kafkas bis zu Dieter Bohlens Silikon-Memoiren. Im angloamerikanischen Sprachraum oder in Frankreich indes genießt das Genre traditionell große Popularität, was dafür sorgt, dass der weltweite Buchmarkt nach Schätzungen mit rund 10.000 Lebensbeschreibungen pro Jahr überschwemmt wird. Neben solchen empirischen Fakten finden sich im Sammelband "Grundlagen der Biographik", der vom jungen deutschen Germanisten Christian Klein herausgegeben wurde, aber vor allem etliche inspirierende theoretische Erwägungen zum Genre, das in der deutschsprachigen akademischen Welt lange Zeit als verpönt galt. Was wohl auch daran liegt, dass die Biografie "ein Opfer ihres Publikumserfolgs" war und ist, wie Ulrich Raulff, Historiker und Feuilleton-Chef der Süddeutschen Zeitung, in Kleins Band schreibt: Je gefälliger die Darstellung, desto höher im Normalfall auch die Auflage. Auch das Kursbuch, Deutschlands Wegweiser durch die intellektuellen Zeitläufte, konstatiert in einer seiner jüngsten Nummern "Die Rückkehr der Biografien". Naturgemäß geschieht das etwas eklektizistischer und verspielter als im akademischen Reader, wenngleich die Befunde durchaus vergleichbar sind. Offenkundig wird auch hier, dass das wachsende Bedürfnis nach Lebensgestaltungsmodellen wohl mit unserer individualisierten und anonymisierten Gesellschaft zu tun haben dürfte. Nicht zu unterschätzen sei aber auch unsere unstillbare Lust am Tratsch, wie der Psychoanalytiker Mario Erdheim in seinem tratschreichen Beitrag betont: "Auch wenn man die im Klatsch wirkende Destruktivität zur Kenntnis nimmt, merkt man bald, dass man dennoch nicht auf ihn verzichten kann." Jedoch: "Man soll gar nicht so sehr über die anderen als vielmehr über sich selber klatschen."

Klaus Taschwer in FALTER 49/2002 vom 06.12.2002 (S. 26)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Kursbuch 148: Die Rückkehr der Biographien (Hans Magnus Enzensberger)

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