Herrn Kukas Empfehlungen
Roman

von Radek Knapp

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 41/1999

Nach seinem viel gelobten "Franio" legt Radek Knapp nun seinen ersten Roman vor, in dem er die (Kurz-)Geschichte von Waldi und seinen Abenteuern (noch einmal) erzählt.

Damals, 1994, schrieben die sensiblen Beobachter der Literaturszene (die von News), dass sein "Erfolg über Nacht" gekommen sei. Andere orteten einen "ursprünglichen Geschichtenerzähler", einen "geborenen Fabulierer". Ihm ist damals widerfahren, "was sich jeder Unsterbliche am meisten wünscht", eine Erwähnung im "Literarischen Quartett". Sensibel auch eine Tageszeitung aus Tirol: Sein Thema sei der "kleine Mann als Goldfisch im Schicksalsglas". Kann mich – blubber – überhaupt jemand hören?
Tatsächlich sitzt Radek Knapp im Kaffeehaus, trinkt Früchtetee und isst Topfentorte. "Was sind die Fragen?", fragt er höflich. "Franio", damals hochgelobt. Jetzt, nach fünf Jahren, der erste Roman? Erfolgsaussichten? "Es ist so wie mit Masern", antwortet Knapp, "wenn man relativ früh Erfolg hat, kann man Antikörper bilden. Ich hoffe, ich habe für die nächsten 40 Jahre genug davon – für Erfolge wie Misserfolge."
Die erste Erzählung, "Ein Bericht", ist 1989 erschienen. Für "Franio" dann, Knapp war 30 Jahre alt, der "aspekte"-Literaturpreis für deutschsprachige Erstveröffentlichungen.
Große Verlagshäuser bemühten sich um den "Senkrechtstarter" (die von News). "Franio" ist heute bei Deuticke, als Taschenbuch bei Rowohlt und nächstes Jahr bei Piper erhältlich.

Seit 1976 lebt der gebürtige Pole in Wien. Nach der Matura verdingt er sich fünf Jahre lang als Heizungsableser, als Würstelverkäufer, Tennislehrer, und zwei Wochen lang sorgt er für die richtige Luftfeuchtigkeit in einer Prominentensauna. Die Prominenz hätte er damals nicht einmal bekleidet identifizieren können.
Dann kam "Franio", und Marcel Reich-Ranicki befand: "Dieser Autor hat Witz, Pfiff, Humor."
Eine gewisse Pfiffigkeit kann man Knapp nicht absprechen. Sein erster, soeben erschienener Roman, "Herrn Kukas Empfehlungen", etwa ist so neu nicht. Bis zu Seite 228 (von 251) folgt er in Handlung und Personnage der Kurzgeschichte "Ente à l'Orange", die in der Anthologie "Fremd" (Deuticke 1997) enthalten ist. Es erübrigt sich beinahe zu erwähnen, dass einige Sätze ident in der Kurzgeschichte stehen.
Der 20-jährige Waldemar bzw. "Waldi" (in Erzählungen müssen Figuren für ihren Namen doch etwas dafür können!) reist von Polen aus nach Wien. Anfangs noch auf einer Parkbank logierend und ohne Geld, lernt das Greenhorn schnell: Bald hat er eine Behausung, einen Job, und so richtig mit einer Frau darf er auch. Ein Fremder in Wien: Natürlich bekommt er Hass und Verachtung zu spüren, aber immer wieder gelingt es Waldi, sich aufs Schönste herauszuschlawinern.
Laurence Sterne hat in seiner "Empfindsamen Reise" einmal geschrieben, dass er selbst in der Wüste etwas finden würde, was seine Neigung auf sich zöge. Knapps Kurzgeschichte – mit Milieuschilderungen und herzhaften Attacken nach allen Seiten (es gibt auch böse Polen!) noch dicht bepackt – gerät als Roman aus den Fugen. Waldi steht in der Wiener Wüste, und jedes Detail muss verwertet und mit Zuneigung beladen werden. Aber die Episoden, in denen ein Friseur (Achtung: schwul) Waldi gegenüber anlassig wird, oder die beiden Skins namens "Anfang vom Ende" und "Negativ", die Waldis Abenteuer noch abenteuerlicher machen müssen, bleiben Füllwerk. Herr Kuka ist ebenso eine Fata Morgana wie der überwiegende Rest der Figuren, die sich im "Roman" tummeln. Waldi ist da anders. Ob es etwa Schicksal sei, dass er in Wien weile, wird er gefragt. "Nein. Es ist das Leben", antwortet er.
"Man soll einen Schriftsteller erst nach dem fünften Buch beurteilen", sagt Knapp und verabschiedet sich höflich.

Wolfgang Paterno in FALTER 41/1999 vom 15.10.1999 (S. 13)


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