Mr. Darwins unentbehrlicher Gehilfe

von Roger McDonald, Karen Nölle-Fischer

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Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 12/2002

Roger McDonald erinnert an einen vergessenen Mitarbeiter von Charles Darwin und schreibt so eine etwas andere Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der "Entstehung der Arten".

Man schreibt das Jahr 1831, als ein gewisser Syms Covington an Bord eines Schiffes namens Beagle geht. Der 15-jährige Seemann beginnt damit eine Reise, die sowohl sein Leben als auch die Sicht der Menschheit auf die Welt für immer verändern sollte. Covington, der Sohn eines armen englischen Metzgers, begegnet auf der Beagle nämlich einem gewissen Charles Darwin. Vom damals 22-jährigen Forschungsreisenden aus gutem Hause wird der Unbedarfte in die Kunst des wissenschaftlichen Sammelns und Präparierens von exotischen Tieren eingeführt, lernt die Tiere zu bestimmen und zu jagen – denn Darwin war auch ein ausgezeichneter Schütze. Zwischen den ungleichen Partnern entwickelt sich eine Beziehung, die nie zur Freundschaft wird, aber doch von einer Art gegenseitigem Respekt getragen ist. Syms Covington wird für viele Jahre Charles Darwins engster Mitarbeiter. Nach der fast fünfjährigen Reise mit der Beagle bleibt Covington für weitere zwei Jahre in Darwins unmittelbarer Umgebung: Er wohnt sogar in dessen Haus, um die mitgebrachten Exponate aufzuarbeiten. In dieser Zeit entwickelt Darwin seine revolutionären Gedanken über die Entwicklung der Arten – freilich ohne sich mit Covington jemals darüber auszutauschen.
Nach der Trennung von seinem Gönner und Vorbild wartet der nach Australien ausgewanderte Covington jahrelang auf die Veröffentlichung "seines" Werkes. Als es dann 1859 endlich so weit ist und "Die Entstehung der Arten" erscheint, ist Covingtons Erregung groß. Nicht nur, dass er mit keinem (Dankes-)Wort darin erwähnt ist; wie die meisten gläubigen Menschen empfindet Covington die Ausführungen seines Lehrmeisters als unglaubliche Ketzerei. Und doch spürt auch dieser einfache Seemann, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist. Was Covington Stück für Stück zusammengetragen hat, verwandelte Darwin in ein völlig neues Weltbild. Er führte anhand von unzähligen Beispielen den Beweis, dass die Entstehung der Arten durch natürliche Selektion vorangetrieben wurde. Damit stand er in krassem Gegensatz zum damals unangreifbaren Schöpfungsgedanken.
Bei der Lektüre von Darwins Buch fühlt sich Covington in gewisser Weise missbraucht – womöglich war das auch die wahre Einstellung seines Dienstherrn ihm gegenüber: 1834, noch während der Reise, schrieb Charles Darwin in einem Brief an seine Schwester: "Mein Diener (Covington, d. Red.) ist ein merkwürdiger Mensch; er ist mir nicht übermäßig sympathisch; doch er ist, vielleicht gerade seiner Absonderlichkeit
wegen, für alles, was ich im Sinn habe, vortrefflich geeignet."

Der australische Autor Roger McDonald hat diese historisch unscheinbare Figur des Syms Covington ausgewählt, um sich dem Biologie-Giganten Charles Darwin zu nähern. Mit dieser geschickten Wahl und mit einer Mischung aus Detailgenauigkeit, gründlicher Recherche und kreativem Einfühlungsvermögen schafft es McDonald nicht nur, die Tragweite der Darwin'schen Abstammungslehre einem breiten Publikum näher zu bringen. Es gelingt ihm auch, ein realistisches Bild von Charles Darwin und seiner Umgebung zu zeichnen – auch wenn heute niemand wissen kann, wie eingebildet Darwin nun wirklich war. Und ob und wie oft sich der große Naturforscher an Bord der "Beagle" tatsächlich übergeben musste. Einen völlig anderen Zugang zum Phänomen Charles Darwin hat der deutsche Romanexperte und Schriftsteller Rolf Vollmann in seinem wieder aufgelegten Buch "Reise um die Welt" gewählt: Drei Monate lang ist er die historische Route der "Beagle" nachgereist und hat von den einzelnen Stationen seiner Reise 41 Briefe an seine daheim gebliebenen Kinder geschrieben. Entstanden ist ein ungewöhnliches und spannendes Kinderbuch, das den Blick für die Vielfalt der Natur schärft und bei Jung und Alt die Reiselust weckt.

Benedikt Föger in FALTER 12/2002 vom 22.03.2002 (S. 28)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Reise um die Welt (Rolf Vollmann)

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