Rumo & Die Wunder im Dunkeln
Ein Roman in zwei Büchern. Illustriert vom Autor

von Walter Moers

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 17/2003

Mit seinem Wälzer "Rumo" legt der Schriftssteller und Zeichner Walter Moers nun bereits seinen dritten Roman aus dem Phantasy-Land Zamonien vor. Mit dem "Falter" sprach der öffentlichkeitsscheue Autor über Arbeitseifer, Alkohl und andere Drogen.

Entgegen dem Glaubensbekenntnis mancher Kulturpessimisten kann das Gute mitunter auch das gut Verkaufte sein. Der 1957 in Mönchengladbach geborene Walter Moers, der bis dahin vor allem als Comiczeichner ("Das kleine Arschloch", "Adolf") reich und berühmt geworden war, veröffentlichte 1999 seinen - in jeder Hinsicht - fantastischen Roman "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär". Das voluminöse, von Moers selbst illustrierte Opus, das umfangreicher, witziger und besser geschrieben ist, als das meiste, was im deutschsprachigen Feuilleton als "Literatur" firmiert, blieb sechzig Wochen in der Bestenliste des Spiegel und wurde bis heute allein in Deutschland 400.000-mal verkauft. Während er weiterhin Comic zeichnete und sich seinen Spaß mit Adolf Hitler ("Äch bin schon wieder da!") oder einem sprachgestörten König ("Der Fönig") machte, schrieb Moers wie besessen. Neben einem Roman nach Bildern des französischen Illustrators Gustave Doré ("Wilde Reise durch die Nacht", 2001) veröffentlichte er zwei weitere Zamonien-Romane: den Wald-Schocker "Ensel und Krete" (2000) und den soeben erschienenen Wopertinger-Action-Roman "Rumo". Und wie Moers, der keine persönlichen Interviews gibt und in den Medien nicht auftritt, dem Falter per E-Mail mitteilte, sind zwei weitere Bücher schon in Planung.

(...)

Falter: Und wie lange haben Sie an "Rumo" geschrieben?

Walter Moers: Der lag fünf Jahre auf meinem Schreibtisch, aber in dieser Zeit habe ich auch zwei andere Romane und Comics veröffentlicht.

Falter: Ich habe einmal gelesen, dass sie zwischen Deutschland und den USA pendeln. Ist das noch immer so? Und hat das irgendetwas mit einer Einteilung in "Arbeit" und "Ferien" zu tun?

Walter Moers: Wir haben unseren festen Wohnsitz in Hamburg, in Amerika fahren wir mit dem Mietwagen rum und leben in Hotels. Geschrieben wird überall, wo ich mein Notebook aufstellen kann. Ich bezeichne unsere Reisen gerne als "Recherche", um vor meinem schlechten Gewissen die vielen Ferien zu legitimieren.

Falter: Sie haben sehr bald entschieden, nicht zur öffentlichen Person zu werden.

Walter Moers: Ich mag einfach keinen Rummel und es ist mir unangenehm, wenn sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf mich richtet. Ich habe früh bemerkt, dass das irgendwann mal mein Schicksal werden wird, wenn ich die Veröffentlichung von Fotos nicht radikal unterbinde. Ich bin davon überzeugt, dass mich manch ein Prominenter um meine Nichtprominenz beneidet. Wenn man einen Prominenten fragt, was denn das Schönste an seiner Prominenz wäre, kommt immer wieder dieser Mythos vom "besten Platz im Restaurant". Als ob es den gäbe!

Falter: Sie sind ziemlich flott vom Comiczeichner zum Großepiker gewechselt? War das eine geplante Neuorientierung? Oder ist Ihnen das passiert?

Walter Moers: Halb und halb. Mir ist der Rückgang des allgemeinen Interesses an Erwachsenencomics aufgefallen, das hat mich beunruhigt. Außerdem fing das Comiczeichnen an, mich zu langweilen.

Falter: Ist Ihnen das Kleine Arschloch schon auf die Nerven gegangen?

Walter Moers: Damit habe ich schon vor etlichen Jahren aufgehört. Man hat nicht verstanden, warum ich der eigenen Geldkatze den Hals umdrehen will, aber ich gehöre nicht zu den Zeichnern, die bis an ihr Lebensende ein und dieselbe Figur zeichnen. Das ist nicht abwertend gemeint, einige meiner größten Idole haben das getan.

Falter: Und welche wären das?

Walter Moers: Carl Barks mit seinen Enten zum Beispiel.

Falter: Im Wechsel der Medien ist auch Ihr Zeichenstil aufwendiger geworden - ein Triumph der Feinstschraffur.

Walter Moers: Schön, dass Sie das bemerken, es ist das erste Mal, dass jemand danach fragt. Dabei habe ich mir diesmal so eine Mühe mit den Zeichnungen gegeben. Ich wollte, dass sich das Ausmaß der Detailarbeit im Text in den Illustrationen spiegelt. Ich habe feinere Tuschestifte als zuvor benutzt und teilweise mit Lupen gearbeitet. Erst auf der Hälfte der Strecke habe ich gemerkt, auf was für einen Wahnsinn ich mich da eingelassen hatte, aber da wars schon zu spät. Ich habe bestimmt ein halbes Jahr an den verdammten Illustrationen gesessen.

Falter: Sie haben auch gleich ein paar kunsthistorische Referenzen eingestreut. Caspar David Friedrichs "Eismeer" etwa, und der Fisch ist, wenn ich recht erinnere, von Brueghel. Das Porträt von Gaunab, dem hässlichen Zwerg auf Seite 419, ist auch eine Paraphrase - ich komm aber nicht drauf, worauf. Helfen Sie mir weiter?

Walter Moers: Brueghel ist richtig. Den Zwerg verrate ich nicht. Aber ist Ihnen aufgefallen, dass ich für "Rumo" eine sehr bekannte Stelle aus dem "Mann ohne Eigenschaften" geklaut habe?

Falter: Ich erinnere mich an eine extensive meteorologische Beschreibung, auf die der Zusatz folgt, dass es sich - in anderen Worten - um einen "schönen Tag" handle.

Walter Moers: Naja, das war jetzt eigentlich auch zu leicht.

Falter: Können Sie ein bisschen darüber erzählen, wie der Kontinent Zamonien in Ihrem Kopf entstanden ist?

Walter Moers: Haben Sie seeehr viel Zeit? Nein, ich versuche es mal zusammenzufassen. Bei der Arbeit am ersten Roman kam mir die fixe Idee für eine Buchreihe, bei der eigentlich nicht die Protagonisten, sondern der Ort, an dem die Handlung spielt, der eigentliche Held sein soll. Auf dieser Folie sollen unterschiedliche Genres und Literaturformen ausprobiert werden: Der erste war ein barocker fantastischer Roman, der zweite eine Märchenparodie, "Rumo" ist ein Abenteuerroman, das nächste Buch wird die Horror- und Schauerliteratur zur Grundlage haben, das übernächste die Science-Fiction, wenn ich so weit komme.

Falter: Rumo ist ja ein etwas anachronistischer Held: so etwas wie eine introvertierte Kampfmaschine, die Schachspielen hasst. Was hat Sie an ihm gereizt?

Walter Moers: Da ich einen Abenteuerroman schreiben wollte, dachte ich, so eine kleine Lokomotive, die nicht allzu viel reflektiert, ist das beste, um die Handlung voranzutreiben. Außerdem waren meine bisherigen Helden immer körperliche Waschlappen, nur mit dem Maul sportlich. Ich dachte: Versuchs doch mal andersrum.

Falter: Abgesehen von den Protagonisten? Wer sind Ihre zamonischen Favoriten?

Walter Moers: Mein persönlicher Liebling ist Hildegunst von Mythenmetz, der überspannte Schriftsteller, der wird langsam zum Alter Ego, da muss ich aufpassen.

Falter: Welchen Geschöpfen fühlen Sie sich am nächsten?

Walter Moers: Den Bewohnern der Lindwurmfeste - den bekloppten Schriftstellern in ihrem Elfenbeinturm.

(...)

Klaus Nüchtern in FALTER 17/2003 vom 25.04.2003 (S. 22)


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