Das Weltgeheimnis
Kepler, Galilei und die Vermessung des Himmels

von Thomas de Padova

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 01.03.2009

Rezension aus FALTER 29/2009

Der Jupiter hat vier Monde, und unser Mond ist übersät von Bergen und Tälern. Vor genau 400 Jahren richtete Galileo Galilei sein selbstgebasteltes Fernrohr in den Himmel über Padua. Im selben Jahr veröffentlichte Johannes Kepler seine "Astronomia Nova". 1609, das Wunderjahr der Astronomie, fungiert als Aufhänger für Thomas de Padovas Doppelbiografie "Das Weltgeheimnis". Das Hin- und Herblenden zwischen Kepler und Galilei sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern auch für erhellende Kontraste.
Die beiden großen Geister ­könnten kaum unterschiedlicher sein: ­Galilei ein karrieregeiler Höfling, der ­seine Entdeckungen so spint, dass er zum Hofphilosoph der Medici in Florenz und zum Darling des Papstes aufsteigt; Kepler ein Schwärmer und ­unvorsichtiger Tollpatsch, der nur deshalb Mathematiker am Hof von Kaiser Rudolf II. in Prag wird, weil sein Vorgänger Tycho Brahe über­raschend stirbt. Selbstkritik war Galilei fremd, sein literarisches Talent setzt er vor allem dazu ein, seine Gegner niederzumachen. Kepler hin­ge­gen war ein Grübler und Perfektionist, großherzig gegenüber anderen, mit sich selbst hadernd. Dass seine bahnbrechenden Entdeckungen so lange nicht wahrgenommen wurden, lag nicht zuletzt an seiner unverständlichen Ausdrucksweise. ­Galilei gesteht nie ein, was er von Kepler gelernt hat, Kepler hin­gegen ist einer der wichtigsten Fürsprecher Galileis. ­Galilei überträgt seine Mechanik auf die Astronomie, der mathematisch versierte Kepler wertet Daten aus und entdeckt, dass die Planetenbahnen elliptisch sind.
Keplers Leben bestand aus zahlreichen Schicksalsschlägen, 1600 ­wurde der Protestant aus Graz, 1627 aus Linz vertrieben, dazwischen verteidigte er seine eigene Mutter gegen den Vorwurf der Hexerei. Dass dem Katholiken Galilei an seinem Lebensende der Prozess gemacht wurde, hat er nicht zuletzt der eigenen Überheblichkeit zu verdanken. De Padova schreibt blendend und lässt den jüngsten Forschungsstand in gut verdaulichen Dosen einfließen. Die Geschichte der Wissenschaft erscheint so nicht als Triumph der großen Männer, sondern als mühsamer Weg voll groß­spuriger Rhetorik sowie zahlloser Irr- und Umwege.

Oliver Hochadel in FALTER 29/2009 vom 17.07.2009 (S. 18)


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