Der Leopard

Roman | Klassiker der Weltliteratur in Neuübersetzung
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Kurzbeschreibung des Verlags:



Niedergang einer Adelsfamilie: der moderne Klassiker in neuer Übersetzung 

»Der Leopard« gehört schon bald nach seinem Erscheinen 1958 zur Weltliteratur. Inspiriert von der eigenen Familiengeschichte, gelingt Giuseppe Tomasi di Lampedusa der größte Italienroman unserer Zeit und eine schillernde Hommage an das Europa des 19. Jahrhunderts. Mit melancholischer Ironie schildert er den Niedergang des sizilianischen Adelsgeschlechts um Don Fabrizio, Fürst Salina. Der Fürst sieht die alte Ordnung der italienischen Gesellschaft in Gefahr: Tancredi, sein Neffe und Ziehsohn, heiratet die verführerische, aber bürgerliche Angelica – das Ende der Feudalherrschaft kündigt sich an.  
»Der Leopard« hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren und zieht die Leser noch immer in seinen Bann. Ein moderner Klassiker und eine Glanzstunde der Literatur. 

»Eine bestechende Neuübersetzung« - Denis Scheck 

Pünktlich zum 60. Jahrestag der deutschen Erstausgabe liegt nun eine werkgetreue Neuübersetzung von Burkhart Kroeber vor.  

»Lampedusas Roman ist wie ein verführerisch morbider Reiseführer für Sizilien, und für seinen verzweifelten Glanz.« – The Guardian 

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FALTER-Rezension

Claudia Cardinale mit Krampfadern

Neben „Vom Winde verweht“ ist „Der Leopard“ der wohl berühmteste Roman des 20. Jahrhunderts, den die Mehrheit nicht gelesen, sondern im Kino gesehen hat. Gemeinsam ist Margaret Mitchells Südstaaten-Schwarte (der Falter-„Klassiker“ des Monats Februar) und Giuseppe Tomasi di Lampedusas um vieles schlankerem Roman auch noch, dass sie in den 1860er-Jahren spielen und beide „One-Hit-Wonder“ sind.

Tomasi, der mit dem Schreiben erst zwei Jahre vor seinem Tod begonnen hatte, erlebte die Veröffentlichung von „Il Gattopardo“ im Jahr 1958 nicht mehr. Dasselbe gilt naturgemäß für die gleichnamige Leinwandadaption mit Burt Lancaster in der Hauptrolle des Fürsten Salina, die dem Urteil Umberto Ecos zufolge „den tieferen Sinn des Romans sehr gut wiedergibt“.

Dennoch muss man festhalten, dass Regisseur Luchino Visconti und seine Drehbuchautoren diesen doch recht beherzt „umgeschnitten“ haben: Die legendäre Ballszene, die ein Viertel des dreistündigen Films ausmacht, nimmt im Buch gerade einmal dreißig Seiten (also ein Zwölftel) ein.

Für den Film gilt: Dopo il ballo c’è la fine, wohingegen es im Roman danach noch 48 Jahre und zwei Kapitel weitergeht, die den „Tod des Fürsten“ und „Das Ende von allem“ zum Inhalt haben. Damit wird das Filmpublikum um eine erschütternde Sterbeszene gebracht, es bleibt ihm allerdings auch erspart, dem strahlend schönen jungen Liebespaar – Tancredi und Angelica – noch einmal im Alter zu begegnen: Alain Delon mit einer braunen Melone auf dem Kopf und Claudia Cardinale mit Krampfadern an den Beinen – das muss nun wirklich nicht sein.

Über die vermeintlich „filmischen“ Techniken wie Schnitt, Vor- und Rückblenden hat der Roman schon immer verfügt. Tomasi setzt sie dosiert, aber überaus wirkungsvoll ein und kombiniert sie mit den literarischen Verfahren der erlebten Rede, des inneren Monologs und des auktorialen Kommentars, was es ihm auch ermöglicht, die Tonlagen zwischen Pathos und Sarkasmus elegant zu wechseln. Der Roman, der vom Niedergang des sizilianischen Adels am Beispiel des – einen Leoparden im Wappen führenden – Hauses Salina erzählt, schwelgt nämlich keineswegs in pittoresker Melancholie, sondern ist immer wieder auch verdammt komisch.

Köstlich etwa die Erinnerung an eine der „vielen Audienzen“ Don Fabrizios bei Ferdinand II., bei der der König beider Sizilien die ehrerbietige Aufwartung des Fürsten mit einem im derben nea­politanischen Dialekt vorgebrachten „Salina, was redstn du da!“ quittiert – um diesen danach gehörig zu rollen: „,Und was machen die süßen kleinen Mädels?‘ Der Fürst begriff, dass er jetzt diese schlüpfrige und zugleich bigotte Zweideutigkeit parieren musste. ,Die süßen kleinen Mädels, Majestät? In meinem Alter und in den heiligen Banden der Ehe?‘ […] ,Aber, Salina, das hätte ich mir doch nie erlaubt! Ich habe nach deinen Töchtern gefragt, den kleinen Fürstinnen.‘“

Als „Der Leopard“ erschien, hatte mit Alberto Moravia oder Italo Calvino bereits die nächste Schriftsteller­generation das Sagen, und Tomasis Roman geriet in den Ruch des Rückwärtsgewandten.

Tatsächlich trifft der Vorwurf weder in ästhetischer noch in politischer Hinsicht zu. Hinweise auf Düsenflugzeuge, Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ oder Bombenabwürfe im Jahr 1943 erhellen fast schockartig den Abstand zwischen den geschilderten Ereignissen und der Gegenwart des Erzählers, der darüber hinaus auch ganz generell Distanz zu seinem Protagonisten wahrt, sodass der Roman nie Gefahr läuft, „die Welt von Gestern“ nostalgisch zu verklären.

Dass etwas faul ist im Königreich Sizilien, signalisiert schon die olfaktorische Opulenz der Eingangsszene, in der die Pflanzen des Gartens einen „fast schamlosen Duft“ verströmen: Dem Fürsten Salina kommt es vor, „als rieche er am Schenkel einer Ballerina der Pariser Oper“; zugleich erinnert er sich an „den Ekel, den süßliche Schwaden in der ganzen Villa verbreitet hatten“, und die von der grausam zugerichteten Leiche eines jungen, unterm Zitronenbaum verendeten Soldaten herrührten.

Gestochen scharf und illusionslos zeichnet der Roman Fürst Fabrizio, der Tomasis Urgroßvater zum Vorbild hat, als nicht unbedingt unsympathischen, aber doch herablassenden und dünkelhaften Patriarchen, der sich den Wahlspruch seines aus schierem Opportunismus mit Giuseppe Garibaldi kollaborierenden Neffen Tancredi zueigen macht: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss alles sich ändern.“

Es bleibt freilich nichts so, wie es ist. Durch die Heirat Tancredis mit der bürgerlichen Angelica wird der Deal „symbolisches gegen pekuniäres Kapital“ besiegelt, der Untergang einer todessehnsüchtig mit dem eigenen politischen Phlegma flirtenden Aristokratie ist dennoch besiegelt. Auf „die feinen Unterschiede“ – wie es nun in der offenkundig auf den französischen Soziologen Pierre Bourdieu anspielenden Neuübersetzung von Burkhart Kroeber heißt (Charlotte Birnbaums Erstübersetzung von 1959 kam noch ohne Adjektiv aus) – ist kein Verlass mehr.

Angelicas schwerreichem Vater mag es an „Chic“ mangeln, am Aufstieg der Bourgeoisie ändert das nichts: „Er lernte von nun an, sich etwas besser zu rasieren und sich weniger darüber aufzuregen, wie viel Seife beim Waschen verbraucht wurde, das war alles. Doch für ihn und die Seinen war es der Anfang jenes konstanten Verfeinerungsprozesses einer Klasse, der im Laufe von drei Generationen aus effizienten Rüpeln wehrlose Gentlemen macht.“

Klaus Nüchtern in Falter 18/2020 vom 01.05.2020 (S. 33)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783492059848
Ausgabe 5. Auflage
Erscheinungsdatum 02.09.2019
Umfang 400 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Piper
Übersetzung Burkhart Kroeber
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