Das Buch der Illusionen

von Paul Auster

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 33/2002

"Das Buch der Illusionen" erinnert an viele frühere Romane von Paul Auster - und daran, dass die Bücher des US-Starautors immer biederer werden.

Die Geschichte fängt eigentlich gut an: David Zimmer, dessen Frau und zwei Söhne bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, erwacht durch ein kurzes Lachen aus monatelanger Depression und Alkoholdelirium. Beim Zapping stößt der junge Uni-Professor auf eine unwiderstehlich komische Szene des ihm bislang unbekannten Stummfilmkomikers Hector Mann.

Zimmer stellt Nachforschungen an und erfährt, dass Mann nur wenige Filme drehte und danach plötzlich verschwand. Auch seine frühen Werke waren lange verschollen - ehe sie kürzlich von einem anonymen Sender an weit verstreute Filminstitute verschickt wurden. Eine Gelegenheit für den nach Ablenkung suchenden Trauernden: Er reist den Streifen nach und schreibt ein Buch über die Filme des großen Unbekannten. Als Zimmer kurz darauf brieflich den Hinweis erhält, dass Mann noch am Leben sei und ihn kennen lernen möchte, gerät die Welt des Witwers langsam aus den Fugen.

Eine seit Jahrzehnten totgeglaubte Figur, die plötzlich wieder auftaucht. Ein Filmemacher, der sein revolutionäres Spätwerk zu Lebzeiten keinem Menschen zeigt und auf dessen sofortige Vernichtung nach seinem Tod besteht. Ein leer stehendes Haus, in dem ein nach Ruhe suchender Autor verdutzt neben einer hübschen jungen Frau aufwacht. Willkommen in Paul Austers Welt. Hier haben die Zufälle und magischen Begebenheiten System. In zahlreichen anderen Büchern - wie etwa "Mr. Vertigo" - hat der Autor mit sehr ähnlichen Methoden gearbeitet. Nur, dass die Buchstabensuppe von Roman zu Roman immer dünner wird.



Am "Buch der Illusionen" scheint schon der Titel falsch gewählt. Fuhr in Austers ersten Texten, etwa der "New York Trilogie", die Wahrnehmung mit den Figuren - und den Lesern! - tatsächlich Achterbahn, so hat sich mit den Jahren eine lähmende Biederkeit eingeschlichen, angesichts derer einem selbst die unwahrscheinlichsten Geschichten nur mehr ein Schulterzucken entlocken. Gut, Hector Mann hat auf einer riesigen Ranch in New Mexico mit einigen treuen Gehilfen ein verstecktes Filmstudio aufgebaut, dessen Produkte kein Außenstehender sehen darf (mit Ausnahme von Zimmer). Wird schon so sein. Anstatt aber tiefer zu graben und sich anbietende Themen wie das Verschwinden von Bildern zu behandeln, hüpft Auster nur munter von einer seltsamen Begebenheit zur nächsten.

Kleine Details und Scherze sorgen dafür, dass sich die Lektüre über weite Strecken immerhin kurzweilig gestaltet. Wagt man jedoch den Blick hinter die Kulissen, so stellt sich ein ernüchternd schlichtes Bild dar: Hinter all dem Hokuspokus, den massierten Zufällen und verschlungenen Lebenspfaden mag sich zwar eine leidlich unterhaltsame (und im Fall des Falles gut verfilmbare) Geschichte verstecken. Im Gegensatz zum frühen Auster fehlt hier aber eine zweite Ebene hinter den Geschehnissen, die die äußere Handlung vertiefen, kommentieren oder kontrastieren würde - genau jener Mehrwert, der neue Einsichten ermöglicht und einen Text von einer simplen Story zu wirklicher Literatur macht. Aus diesem Metier scheint sich Auster bereits verabschiedet zu haben. Die im Titel erwähnten "Illusionen" sind wenig mehr als Tricks eines versierten Taschenspielers.

Sebastian Fasthuber in FALTER 33/2002 vom 16.08.2002 (S. 49)


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