Durchbruch

Der Weinstein-Skandal, Trump und die Folgen
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Ronan Farrow hat den Weinstein-Skandal enthüllt und den mächtigsten Filmproduzenten Hollywoods zu Fall gebracht. Dieses Buch erzählt die ganze Geschichte dieser Ermittlung. Und sie geht weit darüber hinaus. Während Farrow nach und nach immer mehr Frauen trifft, die belästigt, missbraucht und sogar vergewaltigt werden, enthüllt sich ihm zugleich der Grund, warum alle schweigen: ein weit verzweigtes Kartell aus Geld, Macht und Einfluss, das mit Hilfe von Bedrohungen, Beschattungen, Lauschangriffen, Schmutzkampagnen und Knebelverträgen die Frauen zum Schweigen bringt und alle Journalisten, die darüber berichten wollen. Farrow deckt ein Netzwerk der Einschüchterung und Nachrichtenunterdrückung auf, das tief in die Politik und die Medienlandschaft reicht. Ein Muster, dem schon Trump folgte und einige der bekanntesten Fernsehfiguren der USA: die Geschichte kaufen und verschwinden lassen. Farrow gerät bald selbst in Gefahr - und am Ende ist es seine Familiengeschichte, einschließlich der Missbrauchsvorwürfe gegen seinen Vater Woody Allen, die ihm die Kraft gibt, zu widerstehen und die Wahrheit ans Licht zu bringen - ein Durchbruch, der bis heute weltweite Folgen hat.Dieses Buch erzählt die Geschichte von kriminellem und lange ungestraftem Machtmissbrauchs und des Muts einzelner; zugleich ist es die sehr persönliche Geschichte einer Selbstfindung, in der sich der Autor aufs Neue seiner Lebensgeschichte stellen muss.

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FALTER-Rezension

„Ich will Dreck an dieser Schlampe“

In „Durchbruch“ beschreibt Ronan Farrow, wie der Filmemacher Harvey Weinstein jahrelang Frauen drangsalierte und so viele wegschauten

New York, State Supreme Court, Anfang Jänner. Es ist Harvey Weinsteins erster Tag vor Gericht, er erscheint gebückt und auf eine Gehhilfe gestützt. Er soll eine Frau vergewaltigt und eine andere zum Oralsex gezwungen haben. Mehrere Zeuginnen werden in den folgenden Wochen schockierende Erlebnisse berichten. Und das ist erst der Anfang für den einst fast allmächtigen Produzenten: Auch in Los Angeles wird er wegen Sexualverbrechen angeklagt. Er soll Dutzende begangen haben.

Ein detailreiches Zeitdokument

Dass es zu dieser Anklage gekommen ist, daran hat der Journalist Ronan Farrow großen Anteil. Als einer der Ersten hat er die Vorwürfe gegen Weinstein veröffentlicht, er und zwei Reporterinnen der New York Times erhielten dafür den Pulitzer-Preis. Farrow hat eine besondere Sensibilität für das Thema: Seine Schwester Dylan wirft ihrem Vater Woody Allen vor, er habe sie als Kind missbraucht (der bestreitet das). Bei den Recherchen über Weinstein ist der Autor immer wieder gegen Wände gerannt, wie er in „Durchbruch“ detailreich nachzeichnet. Was sich liest wie ein Krimi, geht weit über den Einzelfall hinaus: Farrow zeigt opportunistische Medienmacher und eine Gesellschaft, die Opfer sexueller Gewalt auch heute noch erbarmungslos jagt.

Weinstein sollen weder ein Nein noch handfeste Gegenwehr abgehalten haben, der massige Mann setzte einfach seine Körperstärke ein: Er sei bekannt gewesen als „Raubtier“ Frauen gegenüber. Dennoch konnte er jahrelang weitermachen. Paradigmatisch etwa der Fall des Models Ambra Battilana Gutierrez. Die 22-Jährige erzählte der Polizei, wie Weinstein sich auf sie gestürzt habe. Doch obwohl verdeckte Ermittler Zeugen eines zweiten versuchten Übergriffs wurden, wichen die Medienberichte über den Fall rasch diffamierenden Beiträgen über die Frau. Sie komme wohl aus dem horizontalen Gewerbe, hieß es. Der Bezirksanwalt entschied schließlich gegen eine Anklage. Ähnlich erging es der Schauspielerin Rose McGowan, als sie Weinstein Vergewaltigung vorwarf: „Ich will Dreck an dieser Schlampe“, soll der Chefredakteur des Boulevardblatts Enquirer gebellt haben.

So viele spielten mit

Ein Problem hatte Farrow bald mit seinen Informantinnen gemeinsam: Beide wussten oft nicht mehr, wem sie vertrauen konnten. Eine Anwältin, die als Kämpferin für Frauenrechte auftrat, horchte Farrow in Wahrheit im Auftrag Weinsteins aus. Auch war eine israelische Sicherheitsfirma, Black Cube, auf den damals 29-jährigen Journalisten angesetzt; die beiden Agenten begegneten ihm bald auf Schritt und Tritt.

Selbst sein Arbeitgeber, NBC News, habe ihm zunehmend Steine in den Weg gelegt. Reportern in anderen Medien sei es ähnlich ergangen. Detailliert beschreibt er die Methode „Catch and kill“: Dabei sichern sich Medien die Exklusivrechte an einer Geschichte – mit dem einzigen Ziel, dass diese niemals das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Auch über Präsident Donald Trump soll so manche Akte in Safes schlummern.

Als Leserin wartet man freilich darauf, wie Weinstein sich dem Aufdecker gegenüber verhalten würde. Die beiden sollten stundenlang telefonieren. „Sein leises ‚Hi, Ronan‘ zu Beginn jedes Telefongesprächs hatte einen fast jungenhaften Charme“, so Farrow. „Doch viel häufiger trat der alte Harvey Weinstein zutage, arrogant und wutentbrannt.“ Alle sexuellen Kontakte seien einvernehmlich gewesen, behauptet er.

Kurz vor der geplanten Veröffentlichung stoppte NBC die Recherchen. Farrow wechselte zum New Yorker, der seinen Bericht im Oktober 2017 druckte. „Am Ende“, schreibt Farrow, „lässt sich die Courage der Frauen nicht auslöschen.“

Gerlinde Pölsler in Falter 5/2020 vom 31.01.2020 (S. 22)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783498001148
Ausgabe 1. Auflage
Erscheinungsdatum 15.10.2019
Umfang 528 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Format Hardcover
Verlag Rowohlt
Übersetzung Henning Dedekind, Katja Hald, Hans-Peter Remmler, Helmut Dierlamm, Astrid Gravert, Norbert Juraschitz, Heike Schlatterer
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