Im Grunde gut

Eine neue Geschichte der Menschheit
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Der Historiker und Journalist Rutger Bregman setzt sich in seinem neuen Buch mit dem Wesen des Menschen auseinander. Anders als in der westlichen Denktradition angenommen ist der Mensch seinen Thesen nach nicht böse, sondern im Gegenteil: von Grund auf gut. Und geht man von dieser Prämisse aus, ist es möglich, die Welt und den Menschen in ihr komplett neu und grundoptimistisch zu denken. In seinem mitreißend geschriebenen, überzeugenden Buch präsentiert Bregman Ideen für die Verbesserung der Welt. Sie sind innovativ und mutig und stimmen vor allem hoffnungsfroh.

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FALTER-Rezension

Tun Sie das Gute bei hellem Tageslicht!

Das beste Kapitel in Rutger Bregmans Buch „Im Grunde gut“ ist gleich das erste, da nimmt er den Mythos von William Goldings „Lord of the Flies“ auseinander. Der englische Lehrer Golding hatte sich 1954 eine Geschichte ausgedacht, bei der eine Gruppe von verlorenen Buben auf einer einsamen Insel nach kurzer Zeit beginnt, sich gegenseitig zu massakrieren. Bis heute gilt Goldings Buch als Anleitung für die Grausamkeit des Homo sapiens. Die Botschaft: Der Mensch, wenn auf sich alleine gestellt, ist schlecht.

Der niederländische Historiker und Journalist Bregman aber hat sich aufgemacht und die wahre Geschichte der Lost Boys recherchiert. Was 1965 auf der Insel ‘Ata im Pazifik geschah, liest sich ganz anders als bei Golding. Die Knaben züchteten in 15 einsamen Monaten nicht Gemeinheiten, sondern Gemüse.

Und so geht es weiter. Mit einem frechen Mix aus forensischer Wut und einer nicht verheimlichten ideologischen Absicht stellt der 32-jährige Autor die berühmtesten Studienbeispiele für das natürliche Grausame in uns in Frage. Hart geht er mit den Mythen ins Gericht: Gab es Kannibalen auf der Osterinsel? Eher nicht. Laut Bregman waren es Sklavenhändler, die 1862 den Großteil der Inselbevölkerung nach Peru verschifften.

Mit Bregman auf seine forsche Recherchereise durch die Weltgeschichte zu segeln, ist so erfrischend wie aufschlussreich. Er baut seine Thesen auf dem philosophischen Gerüst alter Meister auf und schickt für uns Thomas Hobbes versus Jean-Jacques Rousseau in die Denkerschlacht. „Sollen wir froh sein, dass wir die Natur hinter uns gelassen haben? Oder waren wir einst noble Wilde?“, fragt Bregman. Hobbes – „Der Mensch ist des Menschen Wolf“ – ist für Bregman zu sehr von Angst getrieben. Rousseau gefällt ihm besser: „Wenn sich ein Idealist für Freiheit und Gleichheit ausspricht, schaut Rousseau wohlwollend zu.“

Ganz oben auf seiner Abschussliste für falsche Gerüchte über das Böse im Menschen stehen bei Bregman das Stanford-Gefängnis-Experiment 1971 und das Milgram-Experiment mit der Elektroschock-Maschine 1961 in Yale. Bregman hat jeden Satz der Notizbücher der berühmten Forscher gelesen und kommt zu einem ganz anderen Schluss als sie. Die berühmten Psychologen in Stanford und Yale hätten ihre Studienobjekte arg manipuliert, um sie zur Grausamkeit gegenüber anderen anzuleiten.

Nicht die Natur des Menschen, sondern die Zivilisation sei das Grundproblem. Erst mit der Sesshaftigkeit verwandelte sich der Mensch „vom Kosmopoliten zum Xenophoben“. In Deutschland und Österreich mag man das anders sehen. Gerade der Holocaust galt bisher als bestes Beispiel für die Grausamkeit des Menschen, die schnell hervortritt, sobald die dünne Schicht an Zivilisiertheit aufgebrochen ist. Bregman aber gelangt auch bei Auschwitz flugs zum Umkehrschluss: „Das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit wurde nicht in einem primitiven Land begangen. Es geschah in einem der reichsten Länder der Welt – dem Land von Kant und Goethe, Bach und Beethoven.“

Der niederländische Journalist hat Sendungsbewusstsein, das ist klar. Er fordert einen neuen Realismus, der nicht auf den schlimmsten, sondern auf den besten Annahmen über den menschlichen Charakter beruht. Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie viel Solidarität innerhalb von Gesellschaften existiert. Am Schluss von „Humankind“ (so der weitaus griffigere englische Titel) rät Bregman seinen Lesern: „Schämen Sie sich nicht für Ihre Großzügigkeit und tun Sie das Gute bei hellem Tageslicht.“

Tessa Szyszkowitz in Falter 28/2020 vom 10.07.2020 (S. 17)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783498002008
Ausgabe 10. Auflage
Erscheinungsdatum 10.03.2020
Umfang 480 Seiten
Genre Sachbücher/Geschichte
Format Hardcover
Verlag Rowohlt
Übersetzung Ulrich Faure, Gerd Busse
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