Into the Great Wide Open

von Kevin Canty, Mazzino Montinari

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Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 1-2/2000

"Das Leben eines Mannes" Literatur Kevin Canty erzählt von der Mühsal des Erwachsenwerdens werden.
Der im englischen Original belassene Titel und das Buch-Cover (Highway im Abenddämmerlicht) suggerieren ein Aufbruchspathos, das in Kevin Cantys Roman-Erstling nie so richtig vom Fleck kommt. Zweimal bricht der früh um seine Kindheit gebrachte Kenny Kolodny auf, um sein Leben und das der wohlbehüteten und melancholischen Junie Williamson zu einem gemeinsamen zu machen: Das erste Mal landen die beiden in einem Motel, wo ein Abortus Kennys Vorstellung von Jung-Eltern-Existenz ein jähes Ende setzt; das zweite Mal reist Kenny der Ex-Freundin über viereinhalbtausend Kilometer nach, um festzustellen, dass sie mit einem um einiges älteren Mann schläft, der in etwa die Figur von Kennys Vater hat. "Ich wollte es nicht so. Nichts davon", meint Junie. Und genau davon handelt "Into the Great Wide Open".
Der Irrtum mit dem Erwachsenwerden besteht ja darin, dass man glaubt, etwas dafür tun zu müssen. Bis man irgendwann einmal merkt, dass es einfach passiert und dass auch die Eltern "nur improvisierten". Man muss wohl noch ziemlich jung sein, um sich eine kleine, hässliche Wohnung mit grünem Nadelfilzteppich und den ehelichen Streit darüber zu wünschen, "wer zum Amt geht und einen Antrag auf Lebensmittelcoupons stellt". Später wächst einem dann eine Allerweltsbiografie zu, die man sich so in der Regel nicht vorgestellt hat.
Mit "Mondschein und Aspirin" (1997) hat Canty einen schönen Band mit traurigen Geschichten vorgelegt, in denen die Verschränkung von Alltag und Ausnahmesituation schlaglichtartig beleuchtet wird. Auch im Roman nimmt er sich die Freiheit wegzulassen. Das Schicksal von Kennys abwesender Mutter wird nur ganz kursorisch umrissen, und was aus dem auf den Rollstuhl angewiesenen Vater geworden ist, nachdem ihn Kenny der Obsorge der Rettung überlassen hat, bleibt ungewiss.
Das Buch konzentriert sich also auf jene unübersichtliche Zone, die man mit dem Begriff Adoleszenz bezeichnet und die man erst rückblickend in den Griff bekommt - wies so schön heißt. Er zeigt das Leben, bevor es zum Lebensabschnitt erstarrt ist; beschreibt den Versuch Kennys, erwachsen zu werden, "das Leben eines Mannes" zu führen, ohne "den männlichen Panzer" anzulegen. Nicht immer gelingt es Canty, die Klippen treuherziger Bekenntnisprosa über die Ambivalenzen des Mann-Seins zu umschiffen; über weite Strecken aber ist "Into the Great Wide Open" ein Roman von luzider Melancholie, der zeigt, wie der oft geäußerte Satz "Ich liebe dich" durch ein "Es ist kompliziert" sofort relativiert wird.
Auch wenn die Protagonisten scheitern, gelingt es dem Roman, etwas offen zu halten - nämlich den Sinn für die "Unauflösbarkeit" der Vergangenheit: "Man denkt, dass alles geklärt und erledigt ist, aber dann erwacht etwas irgendwie wieder zum Leben (...), und mit einemmal wird einem bewusst, dass diese Sache nie gelöst oder erledigt gewesen ist."

Klaus Nüchtern in FALTER 1-2/2000 vom 14.01.2000 (S. 61)


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