Die Deutschen schreien
Beobachtungen von einem, der aus dem Land des Lächelns kam

von Florian Coulmas

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Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 26/2002

Wie man spätestens seit dieser Fußball-WM weiß, sind die Japaner ein erstaunliches Volk. Was man vielleicht noch nicht weiß: Der 11. November ist ihr nationaler Tag der Salzstangen, und sie stehen auf Astronautennahrung. Abfall tragen Japaner mit sich herum, um ihn abends zu Hause wegzuwerfen. Auf der Suche nach dem verlorenen Schlaf dösen sie in Klassenzimmern und U-Bahnen vor sich hin. Und eine Tokioter Bahnlinie rief einst Selbstmörder auf, die Rushhour zu meiden. Auch die Balz kennt ihre festen Institutionen. In jeder japanischen Stadt gibt es eine Straße, in der Männer drauf warten, die vorbeiflanierenden Frauen ohne Umschweife auf ein Getränk einzuladen. Nampa heißt das. Außerdem gibt es Gokon, eine Singleparty mit traditionellen Spielen. Diese Treffen enden stets damit, dass man pärchenweise auseinander geht, um vorgeblich eine Spielhalle zu besuchen Christoph Neumann zweifelt am freien Willen der Japaner, an ihrer Befähigung, Spaß zu haben, und an ihrem Verstand. Letzteres wohl zu Recht, denn seit sieben Jahren dulden sie den Deutschen in ihrem Inselreich - und das, obwohl er regelmäßig in einer Talkshow über sie herzieht und mit "Darum nerven Japaner" eine gemeine Aufzählung ihrer Macken veröffentlicht hat, die sich in Japan sehr gut verkauft. Florian Coulmas, der nach insgesamt 17 Jahren aus Japan nach Deutschland zurückgekehrt ist, scheint dagegen alles andere als froh darüber. Voller Lob für das japanische Feingefühl schimpft er in "Die Deutschen schreien" über die eigenen Landsleute: Unsensibel und unbelehrbar, laut und pampig seien sie. So lästert der eine in Japan über die Japaner, der andere in Deutschland über die Deutschen - man kann es ihnen einfach nicht recht machen.Leicht polemisch ließe sich sagen, dass der Jugendstil die vollständige Durchkunstung sämtlicher Lebensbereiche betrieben hat. Breitenwirksamer als Künstler wie Klimt und Schiele war der an der Gründung der Secession und der Wiener Werkstätten beteiligte Kolomann Moser, dessen Formwill alles erfasste - vom Glasfenster bis zum Sessel, vom Bucheinband bis zur Zigarettendose und vom Geldschein bis zum Kaffeehäferl.

Stefan Löffler in FALTER 26/2002 vom 28.06.2002 (S. 64)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Darum nerven Japaner (Christoph K. Neumann)
Kolomann Moser (Maria Rennhofer)

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