Virginia

von Nell Zink

€ 22,70
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Übersetzung: Michael Kellner
Verlag: Rowohlt
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 320 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.04.2019


Rezension aus FALTER 21/2019

Die Dauersäufer folgten auf den Mauerläufer

Wie auch immer man zu ihrer Literatur steht, eines muss man Nell Zink zugestehen: Im Sich-nix-Scheißen ist sie eine Weltmeisterin! Nachdem die heute im deutschen Bad Belzig lebende US-Amerikanerin 2014 im Alter von knapp 50 Jahren ihr vielbeachtetes Debüt „The Wallcreeper“ (dt.: „Der Mauerläufer“) herausgebracht hatte, folgten im Jahresabstand „Mislaid“ und „Nicotine“. Letzterer ist schon im Vorjahr auf Deutsch erschienen, nun ist auch Zinks zweiter Roman unter dem Titel „Virginia“ herausgekommen und bestätigt den eingangs erwähnten Status der Autorin, indem er abermals mit irrwitziger Handlung, einer Handvoll schräger Charaktere und jeder Menge Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll aufwartet – also hauptsächlich Sex & Drugs.

Wenn sich von einem Roman schwer sagen lässt, worum es „eigentlich“ geht, kann das für oder gegen diesen sprechen. Auf „Virginia“ trifft eindeutig Ersteres zu. Erzählt wird die Geschichte von Peggy Vaillantcourt, die 1966 aufs Stillwater College geht, weil dieses als Lesbennest gilt, und die sich dort gleich etwas mit ihrem Literatur-Prof anfängt. Lee Fleming stammt aus einer betuchten Familie, ist „schwul wie ein Rudel Friseure“ (orig.: „queer as a three-dollar bill“), hängt ihr gleich einmal ein Kind an und betrügt sie mit anderen Studentinnen. Worauf Peggy zunächst einmal „Lees unersetzlichen VW-Kurierwagen“ im See vor dem Haus versenkt, Mann und Sohn aber schließlich Knall auf Fall verlässt, um mit der Tochter (das jüngere der beiden Geschwister) in den Sümpfen Virginias unterzutauchen, nachdem sie Mireille – blond, hellhäutig – durch einen Identitätsdiebstahl in ein schwarzes Mädchen namens Karen verwandelt hat.

Was folgt, ist – sieht man vom überraschend unzinkoid geratenen Happy End ab – ein von Dialogwitz und Slapstick gleichermaßen befeuerter Roman, der sich auf hochamüsante und -intelligente (aber niemals reaktionäre) Weise so ziemlich über alles lustig macht, was die Sprachpolizist_*Innen der Identitätspolitik unter die Käseglocke ihres betulichen Ernstes gestellt haben. Go for it!

Klaus Nüchtern in FALTER 21/2019 vom 24.05.2019 (S. 46)


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