Papa, was ist ein Fremder?

von Daniel Cohn-Bendit, Tahar Ben Jelloun

€ 8,30
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Illustrationen: Charley Case
Übersetzung: Christiane Kayser
Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
Format: Taschenbuch
Genre: Kinder- und Jugendbücher/Sachbücher, Sachbilderbücher/Geschichte, Politik
Umfang: 112 Seiten
Erscheinungsdatum: 02.05.2000

'Papa, was ist ein Fremder? Wieso haben manche Menschen schwarze Haut und andere Menschen weiße Haut? Sind Ausländer anders als wir? Ist Rassismus normal? Könnte auch ich zu einer Rassistin werden? Was können wir denn tun, damit die Menschen einander nicht hassen, sondern gern haben?' Diese und andere schwierige Fragen stellt die zehnjährige Mérièm ihrem Vater, dem berühmten französisch-maghrebinischen Schriftsteller Tahar Ben Jelloun. Und der Vater erklärt der Tochter in einem einfachen und anschaulichen Gespräch, wie Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entstehen und welche Folgen sie haben: wie Vorurteile in Diskriminierungen münden können; wann Rassismus und Kolonialismus zu Sklaverei und Völkermord geführt haben; aber auch, daß niemand als Rassist geboren, sondern erst durch die Verhältnisse dazu gemacht wird. Der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun gilt als bedeutendster Vertreter der französischsprachigen Literatur aus dem Maghreb. Seine beiden Kinderbücher Papa, was ist ein Fremder? und Papa, was ist der Islam? wurden Bestseller. Der Autor lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Paris und Marokko. Der Illustrator Charley Case ist ein junger belgischer Künstler und Weltenbummler, der bereits "Papa, was ist ein Fremder?" illustriert hat.

Rezension aus FALTER 21/1999

Bernhard auf arabisch

Die Buchhandlung al-diwan will nicht nur arabische Literatur verkaufen, sondern auch den Eintritt in die arabische Welt erleichtern. wolfgang paterno

Sinan Gzara führt in Wien eine Buchhandlung. Und Sinan Gzara mag Thomas Bernhard. Beides wäre nicht weiter ungewöhnlich. Wenn Gzara nicht eigentlich gebürtiger Tunesier wäre - und seine Buchhandlung sich nicht auf arabische Literatur spezialisiert hätte.

Gzara entdeckte den österreichischen Schriftsteller vor zehn Jahren, damals noch als Student in Tunis. Einer seiner damaligen Professoren meinte, Bernhard sei "erstklassig". Und während Österreich kopfstand wegen "Heldenplatz", las Gzara Bernhard. In Tunis. Auf arabisch, wohlgemerkt.

Nach Aufenthalten in Genf und Paris lebt Gzara nun seit acht Jahren in Wien. Vor zwei Jahren und nach Zwischenstationen bei Wiener Buchhändlern eröffnete er sein eigenes Geschäft, von Anfang an mit der Absicht, damit auch gleich ein arabisches Kulturzentrum zu etablieren. "Kultur beschränkt sich nicht nur auf Kebab und Naschmarkt", sagt er, "die Leute hier sind ja neugierig, sie brauchen aber auch viel Zeit."

Ein "al-diwan" war ein abgesonderter Raum für Bücher auf Kalifenhöfen, in dem getrunken, diskutiert und gelesen wurde. Genauso versteht Gzara seine kleine Buchhandlung. "90 Prozent der Besucher wollen reden", sagt Gzara. "An den Themen Islam und Demokratie, Islam und Frauen herrscht großes Interesse, wie überhaupt viele Menschen einen Zugang zur arabischen Welt suchen."

Unter den Schlagwörtern Religion, Politik, Literatur, Reiseberichte und Geschichte ist eine große Auswahl an Titeln zu finden. Und zwar nicht nur auf arabisch, sondern auch in deutschen Übersetzungen. Des Arabischen Unkundige beginnen ihre Suche am besten links vorne bei den Sprachlexika: Derart ausgerüstet läßt sich immerhin ein kleiner Teil der arabischen Schriftzeichen entschlüsseln. Sinan Gzara fungiert als Berater, wenn der Besucher über die Kalligraphie auf einem Buchrücken staunt. "Das ist ein Band von Hermann Hesse", sagt er dann. Bei Ingeborg Bachmann hat der Europäer weniger Probleme: Ihr Foto ist auf dem Cover. Musil und Rilke sind ebenfalls auf arabisch erhältlich. "Bisher gab es arabische Literatur nur in Moscheen, wobei die Auswahl natürlich ideologisch gesteuert war", meint Gzara und deutet auf das reiche Sortiment an politischer Literatur. Eine große Auswahl an CDs, Zeitschriften und Kunstdrucken garantiert, daß die Buchhandlung auch wirklich zum "al-diwan" wird.

Nebenher organisiert Gzara Lesungen und Diskussionsveranstaltungen. Erst vergangene Woche las der Schriftsteller und Zeit-Autor Hassouna Mosbahi ("Die grüne Insel") im intimen Rahmen des al-diwan.

Die aktuellste Neuerscheinung bei Sinan Gzara ist ein Kinderbuch von Tahar Ben Jelloun. Aktuell deshalb, weil es im Titel die Frage stellt: "Papa, was ist ein Fremder?" In Wien weiß man das immer noch sehr genau.

Patrik Volf in FALTER 21/1999 vom 28.05.1999 (S. 77)


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