Professor der Begierde

von Philip Roth

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Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 01.01.1998

Rezension aus FALTER 12/2003

Kepesh, David: Der Held des Romans "Professor der Begierde" ist, wie Roth, promovierter Literaturwissenschaftler (Spezialgebiete: Tschechow, Kafka). Kepesh, Sohn eines jüdischen Hotelierehepaars an der Ostküste, ist an Liebe und Leidenschaft aber nicht nur literarisch interessiert; sein Leben ist der zunehmend verzweifelte Versuch, seiner Begierden dauerhaft Herr zu werden. Nach einer traumatischen Ehe fällt Kepesh in eine tiefe Krise und begibt sich in Psychoanalyse. Als er mit Ende dreißig dann die 25-jährige Lehrerin Claire kennen lernt, scheint doch noch alles gut zu werden. Nach einer romantischen Europareise (Venedig, Prag) bezieht das Paar ein Häuschen im Grünen; doch am Ende des Sommers ist klar, dass auch dieses Glück bald enden wird. Der melancholische Schwerenöter Kepesh tritt in zwei weiteren Roth-Büchern auf: In der frühen Kafka-Paraphrase "Die Brust" (1972), die chronologisch ein paar Jahre nach dem Roman anzusiedeln ist, wird der Professor in eine mannsgroße weibliche Brust verwandelt; in dem zuletzt erschienenen Kurzroman "Das sterbende Tier" (2001) erzählt der siebzigjährige Kepesh, der in der Zwischenzeit offenbar wieder Menschengestalt angenommen hat, von einer leidenschaftlichen Affäre mit einer fast vierzig Jahre jüngeren Studentin.Portnoy, Alexander: Der Titelheld von Roths erstem Bestseller, "Portnoys Beschwerden" (1969), ist ein erfolgreicher junger Jurist, der im New Yorker Rathaus Karriere macht. Mit Philip Roth hat Portnoy das Geburtsjahr (1933), die Herkunft (das jüdische Viertel Weequahic in Newark) und die Leidenschaften (Frauen, Baseball) gemeinsam. Zum Leidwesen seiner Eltern - der Vater ist, wie Roth sen., Versicherungsvertreter - denkt Portnoy erstens nicht an Ehe und interessiert sich zweitens ausschließlich für "Schicksen" (nichtjüdische Frauen) - das dafür sehr. Die erotische Karriere des sexuell überaus aktiven Portnoy beginnt mit der Vergewaltigung eines unschuldigen Stücks Leber und ist am Ende des Romans an ihrem Tiefpunkt angelangt: Während einer Israel-Reise versagt ihm die Manneskraft. "Mein Leben ist wie ein jüdischer Witz", klagt Portnoy seinem Psychiater. "In diesem jüdischen Witz bin ich der Sohn - bloß es ist kein Witz!"Sabbath, Mickey: Der 64-jährige Mickey Sabbath, Jahrgang 1929, ein very dirty old man, ist von all den kaputten Roth-Helden der kaputteste. Nach dem Tod seiner langjährigen Geliebten und dem endgültigen Zerwürfnis mit seiner (zweiten) Frau verliert der arthritische ehemalige Puppenspieler vollends den Boden unter den Füßen; der Roman "Sabbaths Theater" (1995) ist das Protokoll eines Untergangs, der zunehmend groteske Züge annimmt. Sabbath, der sich treffend als "Apostel der Unzucht" bezeichnet, ist eine amoralische Figur von alttestamentarischen Ausmaßen; am Ende einer jämmerlich-ergreifenden Fahrt in Richtung Hölle muss er feststellen, dass er nicht einmal dort noch einen Platz hat.Tarnopol, Peter: In dem Roman "Mein Leben als Mann" (1974) arbeitet der notdürftig als Tarnopol getarnte Roth schonungslos seine katastrophal gescheiterte erste Ehe auf. Der wie Roth 1933 geborene Schriftsteller Peter Tarnopol hat einen erfolgreichen Roman ("Ein jüdischer Vater") geschrieben, besucht denselben Analytiker wie Portnoy und leckt in einem Erholungsheim für Künstler seine Wunden. In den beiden Tarnopol-Erzählungen, die dem Roman vorangestellt sind, taucht erstmals die Kunstfigur Nathan Zuckerman auf, die das spätere Roth-Ruvre dominieren wird.

Wolfgang Kralicek in FALTER 12/2003 vom 21.03.2003 (S. 4)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Portnoys Beschwerden (Philip Roth)
Mein Leben als Mann (Philip Roth)
Sabbaths Theater (Werner Schmitz, Philip Roth)

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