Tödlicher Chat

von Thomas Tuma

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Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 29/2001

In Internet-Chatrooms schleicht sich ein äußerst sprachbegabtes und charmantes Wesen in die Köpfe flirtwilliger Surfer ein. Die Treffen mit ihm in der echten Welt jedoch verlaufen weniger angenehm und die scheinbar zu Liebeszwecken vorbestellten Hotelzimmer werden zu Schauplätzen brutaler Morde. Der Spiegel-Journalist Thomas Tuma erzählt in der dicht gestrickten Krimi-Handlung seines Romandebüts "Tödlicher Chat" vom quer durch Deutschland wütenden "Netzkiller". Im Zentrum des Romans stehen: Benno Melander, der als Teil eines Internet-Spezialteams der Polizei nach dem Mörder sucht; Marc Pohl, ein recht erfolgloser Klatsch-Reporter, der in der Mordserie die Geschichte seines Lebens erkennt dessen Sekretärin Anna Hofmann, die ihn als erfahrene Chatterin in die Geheimnisse dieser Kommunikationsform mit Suchtgefahr einweiht. Und natürlich der "Netzkiller" selbst. Der jedoch bleibt seltsam ungreifbar.

Ein Umstand, der mit Fortdauer der Handlung den Verdacht aufwirft, dass er tatsächlich eher im Kreise seiner Verfolger zu suchen ist. Will Anna ihrer heimlichen Liebe Marc mit den Morden zu Schlagzeilen verhelfen? Oder sorgt dieser gar selber dafür, dass ihm der Stoff für seine bluttriefenden Stories nicht ausgeht? Und käme nicht auch Benno, der tagtäglich mit der Jagd auf Verbreiter von Kinderpornos beschäftigt ist und das Internet nur als Schauplatz des Bösen kennt, als Täter in Frage?

In den packenden Hotelzimmer-Szenen wechselt die Rolle des Hauptverdächtigen praktisch mit jeder neuen Seite. Und auch die finale Erklärung der Morde - inklusive "Unhappy End" - muss der Leser nicht unbedingt als autorisierte Lesart akzeptieren. In einer gekonnt gehandhabten multiperspektivischen Erzählweise inszeniert Tuma die Verbrechersuche als qualvolle Suche der Protagonisten nach ihrer eigenen Identität. "Tödlicher Chat" bereitet, wie gute amerikanische Krimis, durchaus auch ästhetisches Vergnügen und ist ein gerade für deutsche Verhältnisse erfreulich unverkrampftes und moralinfreies Buch.

Sebastian Fasthuber in FALTER 29/2001 vom 20.07.2001 (S. 53)


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