Silentium!

von Wolf Haas

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Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
Format: Taschenbuch
Genre: Belletristik/Krimis, Thriller, Spionage
Umfang: 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.08.2000

'Ein wahrhaft köstlicher Roman.' (ORF)
Wieder einmal ein Bischofskandidat, der aus dem ehrwürdigen Marianum hervorging – darauf ist man in dem Salzburger Knabeninternat aufrichtig stolz. Wenn nur nicht die hässlichen Gerüchte um den aufstrebenden Kirchenmann wären. Und die 23 Plastiktascherln voller Leichenteile…

Für 'Silentium' hat Wolf Haas schon zum dritten Mal den Deutschen Krimi-Preis bekommen. Er spielt auch in der Verfilmung seines eigenen Buches mit. Außerdem dabei: Joachim Król, Udo Samel, Christoph Schlingensief, Anne Bennent und natürlich Josef Hader als Detektiv Brenner.

'Wolf Haas hat tintenschwarzen Humor und jenen Blick für die Abgründe der Spezies Mensch, wie sie nur in der Alpenrepublik sich auftun, weil da die Brutalität besonders hartnäckig in der Gemütlichkeit nistet. 'Silentium!' führt den lebensklugen Wiener Privatdetektiv Brenner in ein Salzburger Knabeninternat, wo einst im Duschkeller befriedigte und inzwischen vertuschte Lust einen ehrwürdigen Bischofskandidaten um das ersehnte hohe Amt zu bringen droht. 23 Plastiktaschen mit zerstückelten Leichenteilen gefährden gar den Ruf der Festspielstadt.' (WAZ) Wolf Haas wurde 1960 in Maria Alm am Steinernen Meer geboren und veröffentlichte 1996 mit 'Auferstehung der Toten' den ersten der sieben Brenner-Krimis. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und unter anderem mit dem Deutschen Krimipreis, dem Burgdorfer Krimipreis, dem Literaturpreis der Stadt Wien und dem Wilhelm-Raabe-Preis ausgezeichnet. Wolf Haas lebt als freier Autor in Wien.

Rezension aus FALTER 21/1999

Salzburger Sauberkeit

In "Silentium!", Wolf Haas' soeben erschienenem Krimi, paßt alles, und doch ist das Buch eine Enttäuschung.

Dem Herrn Redakteur hab' ich erklärt, daß ich nichts von Shootingstar-Rezensionen halte. Ein Shootingstar ist eine Sternschnuppe, hab' ich nüchtern gesagt, und es gehört zum Wesen von Sternschnuppen, daß sie verglühen. Hilft nichts. Jetzt haben wir den Scherben auf. Salzburg im Sommer. Mönchsberg, Kapuzinerberg, das Festspielhaus natürlich, die Felsenreitschule. Föhn und Regengüsse. Dazu die vielen erzkatholischen Institutionen einer gottgefälligen Stadt, das Marianum vorab, wo auf der einen Seite der brave Bauernbub als Zehnjähriger hineinkommt und acht Jahre später als halbfertiger Pfarrer auf der anderen Seite wieder heraus. Und ausgerechnet dort ist es passiert: in der sauberen Internatsschule, beim Hygiene-Unterricht. Wenn auch vor langer Zeit. Salzburg im Sommer. Ein Ex-Zögling des Marianums erinnert sich. Wie der Spiritual, der jetzt Bischof werden soll, damals sagte, er solle die Unterhose ausziehen. Und wie sich auch der Spiritual ein bißchen ausgezogen hat. Wahrheit oder Rufmord? Privatdetektiv Brenner ermittelt. Der ist ein vierschrötiger Kerl, den Frauen gefallen sein Quadratschädel, seine Pockennarben, seine zentimetertiefen Wangenfalten, seine komischen blauen Augen. "Und wenn eine unbedingt eine starke Schulter gesucht hat, der Brenner hat zwei davon gehabt." Im übrigen ist Brenner eher von der langsamen Art. Trotzdem steckt er schnell tief im Salzburger Sumpf. Und in den unappetitlichsten Mordgeschichten. Vom Vizepräsidenten der Festspiele zu Sandlern und von Tenören über die Geistlichkeit bis zu philippinischen Zimmermädchen reicht das Personal. Es handelt und spricht, wie man's erwartet.

Salzburg im Sommer. Die Kulisse stimmt. Der Brenner stimmt. Die Protagonisten passen. Und doch ist "Silentium!" eine Enttäuschung. Denn "die großen Künstler wissen aus tiefer eigener Erfahrung, daß die größten Werke des Menschen aus dem Verzicht entstehen". So steht's im Buch. Und es steht dort auch, daß es "natürlich schon wahr (ist), daß Geld den Charakter verdirbt". Wolf Haas, 1960 in Maria Alm geboren, hat sich mit wenigen Büchern in die erste Liga der deutschsprachigen Krimiautoren geschossen und zuletzt mit "Komm, süßer Tod" nicht nur den Deutschen Krimi-Preis 1999 erworben, sondern auch einen fulminanten Beweis seines enormen Könnens hingelegt. Die Geschichte um Detektiv Brenner und die Wiener Rettungssanitäter war spannend, lustig, weise, da hat alles gestimmt - und vor allem die Sprache. Die Auslassungen, die Verkürzungen, diese geniale Übertragung amerikanischer Satzstruktur ins Deutsche hat in Verbindung mit wienerischem Sprachwitz für ein Tempo gesorgt, bei dem die Krankenwagen so richtig um die Kurven quietschten.

Aber in Salzburg gehen die Uhren anders. Und Haas' Methode verkommt zur Marotte. Selbstverständlich gibt es auch in "Silentium!" große Passagen. Und es gibt Ideen, die sitzen. Aber dann geht's wieder dahin wie in diesen schauderhaften Gebrauchsanweisungen für Geräte aus Taiwan. Die Sprache des Erzählers, die salopp sein soll, entpuppt sich als gekünstelt und ziemlich doof. Wenn sich dem noch der Inhalt fügt, schreibt sich Wolf Haas plötzlich ziemlich nah an einen anderen Wolf heran, der seine Ideen für Geld verraten hat. Denn mehrheitsfähig ist das ja schon lange: "die benennen da unten ihre Länder ja alle zwei Monate um, und der Honorarkonsul oft das einzige Konstante, wo man sagt, das Land ist schon fünfmal ausradiert worden, und wenn sie nicht in Salzburg ihren Honorarkonsul mit der Originalurkunde hätten, dann überhaupt kein Identität mehr für den Negerstaat".

Christoph Braendle in FALTER 21/1999 vom 28.05.1999 (S. 69)


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