Abstieg

von Peter Chladek

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Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 22/2002

Es gehört schon viel Mut oder viel Chuzpe dazu, nach Nick Hornby einen Roman zu schreiben, in dem das Liebesleben des Helden mit dem Schicksal seines Lieblingsfußballvereins ("Fever Pitch") beziehungsweise mit dessen Lieblingsplatten ("High Fidelity") kurzgeschlossen wird. Der 42-jährige Deutsche Peter Chladek hat es in seinem Debütroman "Abstieg" versucht: Ich-Erzähler Frank liebt Sabine, The Jesus and Mary Chain und Borussia Mönchengladbach - und nicht genug damit, dass Gladbach gerade in die zweite Liga abgestiegen ist, hat ihn auch noch seine langjährige Freundin verlassen. In der Saison 1999/2000, die den zeitlichen Rahmen des Romans bildet, kämpft Gladbach (mit Toni Polster, der allerdings bald kein Leiberl mehr hat) um den Wiederaufstieg und Frank darum, sein Leben in den Griff zu kriegen. Viele Hornby-Fans haben wohl schon mit dem Gedanken gespielt, auch mal so ein Buch zu schreiben. Einer hat es jetzt getan. Netter Versuch. Eine spannendere, wahre Fußballgeschichte erzählt der Sportjournalist Ronald Reng, der u.a. für die Süddeutsche über englischen Fußball berichtet, in seinem Buch "Der Traumhüter". Es handelt sich um die tatsächlich "unglaubliche Geschichte eines Torwarts", den es aus der deutschen Kreisliga in die englische Premier League gespült hat. Lars Leese hatte seine "Karriere" eigentlich schon mit 16 abgebrochen und spielte nur noch zum Spaß bei unterklassigen Vereinen. Mit 27 wird er dritter Tormann bei Bayer Leverkusen; ein Jahr später wird er zum FC Barnsley in die oberste englische Spielklasse vermittelt. Ohne bei einem Bundesligaspiel in Deutschland jemals auch nur auf der Bank gesessen zu sein, bestreitet Leese in der Saison 1997/98 acht Spiele, darunter ein heldenhaftes 1:0 gegen den FC Liverpool. Die märchenhafte Karriere des Lars Leese endet zwar ebenso abrupt, wie sie begonnen hat, aber das ist nicht wichtig: Viele Fußballfans haben wohl schon davon geträumt, einmal Profi zu sein. Für einen wurde der Traum wahr.Schon durch ihren Namen schien die Gräfin Niki de Saint Phalle für sinnliche Kunst prädistiniert gewesen zu sein. Ein schöner Bildband präsentiert nun jene 300 Arbeiten, die die letzte Woche im Alter von 72 Jahren verstorbene Künstlerin 2000 dem Sprengel Museum in Hannover schenkte: der Stadt, in der man 1974 noch 18.000 Unterschriften gegen drei von Saint Phalles großen, bunten Nana-Figuren gesammelt hatte. "La mort du patriarche" nannte die fröhliche Feministin eine ihrer Aktionen, bei denen sie Bilder durch Zerschießen von Farbe gefüllten Beuteln vollendete. Bekannt wurde Saint Phalle auch mit einer Skulptur in Stockholm, eine riesige Nana, durch deren Schoß man ein Kino betreten konnte.

Wolfgang Kralicek in FALTER 22/2002 vom 31.05.2002 (S. 68)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Der Traumhüter (Ronald Reng)
La Fete - Die Schenkung Niki de Saint Phalle (Ulrich Krempel)

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