Schmutzige Affären

von Robert B. Parker, Holger Jenrich

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 12/1999

Himmler, dieses Arschloch

Der "Falter"-Rezensent treibt einen Sondierungsstollen ins berüchtigte blutige Buchbergwerk. Ein erster Schürfbericht.
Bislang las ich Krimis wahllos und vergnügt und wohl immer auch auf der Suche nach dem guten Tip; und was ich an den Büchern bemerkenswert fand, das teilte ich hier manchmal mit. Jetzt hat mir die Chefredaktion durch ihren Exekutor nüchtern mitteilen lassen, daß das alles ja nicht meiner Lust diene, sondern ein Service sei - für Sie, die Leser, die umschwärmten. Dazu reichte man mir einen gewaltigen Bücherstapel von flockigen sechstausenddreihundertfünfundsechzig Seiten, woraus ich doch selektieren und das Erlesene zu einem blutigen Rezensionsstrauß bündeln moge, aber bitte fix.

"Na prack!" dachte ich, schob die Frage, wie man auswählt, was man nicht kennt, auf die lange Bank und nahm ein Sachbuch zur Hand: "Murder Inc." von Rich Cohen. "Murder Inc.", das ist Brooklyn und die Welt um den urgroßelterlichen Diner des Autors, in dem jüdische Gangster à la Bugsy Siegel, Dutch Schultz, Abe "Kid Twist" Reles und Meyer Lansky verkehrten, die mit der italienischen Mafia in einem Zweckbündnis standen. "Männer wie mein Großvater hatten ein ausgeprägtes Gefühl für Recht und Unrecht", schreibt Cohen, "doch fiel es ihren Sohnen schwer, die Gangster nicht zu bewundern." Reles und Lansky und all die anderen waren für sie die furchtlosen Juden, Männer, die einer unfairen Welt den Krieg erklärt hatten. "Würden die Gangster in Palästina leben, gäbe es dort keine Klagemauer. Sie hieße Verarsch-mich-nicht-Mauer!"
Als man mit den Bildern deutscher Konzentrationslager konfrontiert wurde, lieferte die Erinnerung an die Gangster ein anderes Bild: knallharte Juden, Juden, die sich nicht zur Schlachtbank hätten führen lassen. "Man stelle sich vor", meint Cohen, "was ein Jude wie Pep Strauss zu einem Typen wie Heinrich Himmler gesagt hätte. Pustet fünfzehn Locher in den Kraut, dieses Arschloch." Cohen beschreibt leidenschaftlich und emphatisch diese Juden mit Waffen, die bewiesen, daß Juden die härtesten Jungs der Welt sein konnen und die "der Prototyp eines neuen Juden waren, jenes sportlichen, geländegängigen Modells, das sich aus der Asche des Zweiten Weltkriegs erheben sollte". Vier Dolche für den herzerfrischend subjektiven Blick auf ein Zeitalter brutalster Morde, das schon Geschichte ist. (...)

Christoph Braendle in FALTER 12/1999 vom 26.03.1999 (S. 16)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Lob der Treue (David M. Pierce, Ruth Keen)
Murder Inc. oder Nicht ganz koschere Geschäfte in Brooklyn (Rich Cohen, Paul Ingendaay)
Im Netz (Harry Whittington, Gerhard Falkner, Nora Matocza)
Polt muß weinen (Alfred Komarek)

Rezension aus FALTER 12/1999

Himmler, dieses Arschloch

Der "Falter"-Rezensent treibt einen Sondierungsstollen ins berüchtigte blutige Buchbergwerk. Ein erster Schürfbericht.
Bislang las ich Krimis wahllos und vergnügt und wohl immer auch auf der Suche nach dem guten Tip; und was ich an den Büchern bemerkenswert fand, das teilte ich hier manchmal mit. Jetzt hat mir die Chefredaktion durch ihren Exekutor nüchtern mitteilen lassen, daß das alles ja nicht meiner Lust diene, sondern ein Service sei - für Sie, die Leser, die umschwärmten. Dazu reichte man mir einen gewaltigen Bücherstapel von flockigen sechstausenddreihundertfünfundsechzig Seiten, woraus ich doch selektieren und das Erlesene zu einem blutigen Rezensionsstrauß bündeln moge, aber bitte fix.

Was nun? Leider befindet sich im großen Stapel kein Mafiakrimi. Ich konnt' mich statt dessen an die schreibenden Italiener halten, aber die sind im Moment so gräßlich modisch, daß man sie gerne anderen Rezensenten überläßt. Ich wähl' statt dessen "Lob der Treue" von David M. Pierce, weil mir die Hardcover-Taschenbücher von Haffmans schon ans Herz gewachsen sind. Der schnoddrige Erzählton von V. (wie Vic) Daniel, dem zwei Meter großen Privatdetektiv, den nichts aus der Ruhe bringen kann, verspricht Unterhaltung. Weil bis zur Seite 240 nicht sehr viel mehr geschieht, als daß man in Daniels unmittelbarer Nachbarschaft ein Pornokino zu bauen gedenkt, brech' ich mit meiner Gewohnheit und leg' das Buch vorzeitig weg. Zwei Dolche gäb' ich her; und ich geb' noch einen dazu, weil der ungeheure Lesedruck zu berücksichtigen ist, unter dem ich stehe. Der "Falter"-Rezensent treibt einen Sondierungsstollen ins berüchtigte blutige Buchbergwerk. Ein erster Schürfbericht.
Bislang las ich Krimis wahllos und vergnügt und wohl immer auch auf der Suche nach dem guten Tip; und was ich an den Büchern bemerkenswert fand, das teilte ich hier manchmal mit. Jetzt hat mir die Chefredaktion durch ihren Exekutor nüchtern mitteilen lassen, daß das alles ja nicht meiner Lust diene, sondern ein Service sei - für Sie, die Leser, die umschwärmten. Dazu reichte man mir einen gewaltigen Bücherstapel von flockigen sechstausenddreihundertfünfundsechzig Seiten, woraus ich doch selektieren und das Erlesene zu einem blutigen Rezensionsstrauß bündeln moge, aber bitte fix.

Weiter also, es liegt genug herum. Und gleich noch einen Amerikaner, ebenfalls ein Privatdetektiv. Dieser heißt Spencer. Er hat für amerikanische Leser sehr viele und für deutschsprachige schon eine schone Anzahl Fälle gelost und ist dabei immer wortkarger und einsilbiger geworden. Als rororo-Taschenbuch (das Spencer interessanterweise zu Spenser mutieren läßt) liegen jetzt "Schmutzige Affären" vor, in die sich Robert B. Parkers Held verwickeln läßt, und zwar einfach nur deshalb, weil er dem Exmann seiner Freundin aus der Patsche helfen soll. Es wird auch in diesem Buch die längste Zeit nicht klar, welcher Fall sich wie entwickeln mocht' - "Bis auf die Tatsache, daß ich nicht im geringsten wußte, was ich eigentlich tat, war ich ein echter Paradeschnüffler", beklagt sich Spenser noch auf Seite 118 -, aber dieser Schnüffler widmet seine Zeit nicht modischen Hobbys; er recherchiert, er ermittelt, er fragt und fragt, bis die gräßliche Wahrheit ans Tageslicht kommt: Drei Dolche sind zuwenig, vier dann doch zu viel. Der "Falter"-Rezensent treibt einen Sondierungsstollen ins berüchtigte blutige Buchbergwerk. Ein erster Schürfbericht.
Bislang las ich Krimis wahllos und vergnügt und wohl immer auch auf der Suche nach dem guten Tip; und was ich an den Büchern bemerkenswert fand, das teilte ich hier manchmal mit. Jetzt hat mir die Chefredaktion durch ihren Exekutor nüchtern mitteilen lassen, daß das alles ja nicht meiner Lust diene, sondern ein Service sei - für Sie, die Leser, die umschwärmten. Dazu reichte man mir einen gewaltigen Bücherstapel von flockigen sechstausenddreihundertfünfundsechzig Seiten, woraus ich doch selektieren und das Erlesene zu einem blutigen Rezensionsstrauß bündeln moge, aber bitte fix.

Weiter. Die DuMont-Kriminalbibliothek legt eine neue Reihe vor, "DuMont Noir", die mit dem Slogan "Harte Zeiten brauchen harte Bücher" beworben wird und Autoren wie Derek Raymond, Russell James und Jonathan Gash präsentiert - und Harry Whittington, dessen Thriller "Im Netz" 1958 im Original unter dem Titel "Web of Murder" erschienen ist: Anwalt Charley Brower versucht das perfekte Verbrechen, denn "eine der schlimmsten Folgen, die über einen Mann verhängt sein kann, ist die, Leidenschaft für eine Frau heucheln zu müssen, die er verabscheut". Der Plan mißlingt ungeheuerlich, und Charley Brower merkt, daß es schlimmere Strafen als den elektrischen Stuhl geben konnte. Nach zwei Dritteln bin ich versucht, auch dieses Buch wegzulegen, nicht weil es unspannend wäre, sondern einfach, weil der vermaledeite Stapel dräut. Ich lese trotzdem weiter, weil ich denke, hier geht es inzwischen ums Prinzip. Und begleite Whittington, während er seinem Protagonisten auf allen grausamen Wendungen und Kehren durch immer schlimmeren Terror bis in den Abgrund jenseits aller Hollen folgt.
Whittington beherrscht sein Handwerk, er hat das in über 150 Romanen bewiesen, die vom Krimi über die Schnulze zum Western reichen, und gilt als "Konig des Taschenbuchromans". Die entsprechende Wendigkeit macht "Im Netz" vielleicht ein wenig zu glatt, als daß Browers Schicksal den Leser ernsthaft erschüttern konnte. Gute drei Dolche nichtsdestotrotz. Der "Falter"-Rezensent treibt einen Sondierungsstollen ins berüchtigte blutige Buchbergwerk. Ein erster Schürfbericht.
Bislang las ich Krimis wahllos und vergnügt und wohl immer auch auf der Suche nach dem guten Tip; und was ich an den Büchern bemerkenswert fand, das teilte ich hier manchmal mit. Jetzt hat mir die Chefredaktion durch ihren Exekutor nüchtern mitteilen lassen, daß das alles ja nicht meiner Lust diene, sondern ein Service sei - für Sie, die Leser, die umschwärmten. Dazu reichte man mir einen gewaltigen Bücherstapel von flockigen sechstausenddreihundertfünfundsechzig Seiten, woraus ich doch selektieren und das Erlesene zu einem blutigen Rezensionsstrauß bündeln moge, aber bitte fix.

Next. Ein Kriminalheimatroman sozusagen oder ein Nationalkrimi, grenznah im Weinviertel angesiedelt, wo man sich unablässig durch Kellergassen verkostet, während auch hier nur ganz allmählich und beinahe unwillig ein Fall entsteht - ist das vielleicht ein Trend? In einem der Weinkeller tief unter den Preßhäusern wird ein Mann tot aufgefunden. Gärgas. Das ganze Dorf ist hocherfreut. Gendarmerieinspektor Simon Polt muß ermitteln. Alfred Komarek ist einem breiteren Publikum als Reisefeuilletonist bekannt. In seinem Krimierstling "Polt muß weinen" bildet er seinen Polizisten recht deutlich Friedrich Glausers Wachtmeister Studer nach, was ihm denn auch eine Nominierung für den "Glauser-Krimipreis der Autoren" eintrug. Mag dieser Roman immer mal wieder arg am Kitsch entlangschrammen und mag "Polt muß weinen" kein ganz großer Krimi sein, so ist es doch ein liebenswertes Buch, das in plausiblen Bildern eine Wiener Nachbarschaft zeigt; und dem Simon Polt wünscht man weitere Fälle, denn am Ende "trank er keinen Tropfen. Er saß" nur da und strich immer wieder mit seiner rechten Hand über Stirn und Augen, als wollten Kopf und Hand einander etwas erzählen." Vier Dolche dank HS(= heimisches Schaffen)-Koeffizient und ein Lob dem Haymon Verlag für die gepflegte Ausstattung.

Christoph Braendle in FALTER 12/1999 vom 26.03.1999 (S. 16)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Lob der Treue (David M. Pierce, Ruth Keen)
Murder Inc. oder Nicht ganz koschere Geschäfte in Brooklyn (Rich Cohen, Paul Ingendaay)
Im Netz (Harry Whittington, Gerhard Falkner, Nora Matocza)
Polt muß weinen (Alfred Komarek)

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