tabula rasa
oder Eine Reise ins Reich des Irrsinns

von Gion Mathias Cavelty

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 01.01.1998

Rezension aus FALTER 43/1999

Past heißt der alte Mann, der im neuen Roman des bald 70-jährigen Hugo Loetscher die Hauptrolle spielt. Past, der seine Sachen packt, um ins Altersheim zu ziehen, blickt zufällig in "Die Augen des Mandarins", welcher vom Deckel eines Buches unverwandt zurückstarrt und bald darauf aus dem Bild steigt, Past ins Gespräch zieht. Past erinnert sich, vergegenwärtigt sich seine Vergangenheit, sein Leben. "Kann man mit blauen Augen sehen?" ist die Frage, die der Mandarin an ihn richet und die Pasts Lebensbilanz unablässig durchzieht. Der alte Mann im leergeräumten Zimmer träumt sich nochmals sein volles Leben herbei - Lateinamerika, Asien, Europa. Gil, Puy und andere Frauen. Am Ende des gewichtigen Buches stellt sich heraus, dass der Mandarin und Past so unverwandt nicht sind: Seelenverwandte beide. Leise und weise.

Leise ist das Werk von Gion Mathias Cavelty - auch er ein Schweizer - eher weniger, weise schon gar nicht. Das Ganze als höheren Blödsinn zu bezeichnen, wäre schon zu viel des Lobes. Im letzten Teil seiner Triologie "tabula rasa oder Eine Reise ins Reich des Irrsinns" setzt der 25-jährige Autor seine Suche nach dem einen "Buch" fort, welches er sich im ersten Teil zu schreiben vorgenommen hatte. Und so stolpert und holpert er mit seinen Figuren von Episode zu Episödchen. So erfahren wir einiges über den Schöpfer der Welt, den mächtigen Glava-Moz, der die 26 Buchstaben schuf und so das ganze Chaos verursachte. Wir erfahren auch, das dessen finsterer Gegenspieler, der Aga der Abartigkeit, der Gebieter der Geistesschwäche und der Imperator der Idiotie", eigentlich Earl Grey heißt, was wiederum den Höhepunkt caveltyschen Sprachwitzes darstellt. Also doch lieber Max Goldt, der ist wirklich lustig. Außer man will unbedingt Kafkas Schloss-Roman in der Cavelty-Fassung lesen ("Hier gibt es kein Schloss!"). Ein zweifelhaftes Vergnügen.

Gregor Patorski in FALTER 43/1999 vom 29.10.1999 (S. 66)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Die Augen des Mandarins (Hugo Loetscher)

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