Theodor W. Adorno. »Minima Moralia« neu gelesen

von Andreas Bernard, Ulrich Raulff

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Verlag: Suhrkamp
Genre: Philosophie/20., 21. Jahrhundert
Umfang: 144 Seiten
Erscheinungsdatum: 24.02.2003

Rezension aus FALTER 31/2003

Bevor die publizistische Lawine zum 11. September, auf den heuer der hundertste Geburtstag von Theodor W. Adorno fällt, so richtig losbricht, werden zwei schmale Bände vorausgeschickt. Die "Eingriffe", neun zwischen 1953 und 1963 publizierte Texte, sind als einer von 15 Klassikern, mit denen die edition suhrkamp ihr vierzigjähriges Bestehen feiert, neu aufgelegt worden. Neben zwei Arbeiten zum Fernsehen, die den Degout Adornos über die Kulturindustrie nicht verleugnen können, enthalten sie unter anderem die Aufsätze "Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit" oder "Wozu noch Philosphie", in dem Adornos Position ex negativo in Auseinandersetzung mit den philosophischen "Gegnern" entwickelt wird. In "Meinung Wahn Gesellschaft" wird die Ambivalenz öffentlicher Meinung als Ressentiment und Voraussetzung von Demokratie vorgeführt und ein emphatischer Begriff von Wahrheit an permanente strikte Selbstreflexion geknüpft. Ein Sisyphosunternehmen, denn: "Gibt es wirklich kein richtiges Leben im falschen, so kann es eigentlich auch kein richtiges Bewusstsein darin geben." "Gibt es wirklich kein richtiges Leben im falschen, so kann es eigentlich auch kein richtiges Bewusstsein darin geben."
Das Selbstzitat spielt auf das berühmteste Bonmot in Adornos populärstem Buch an: Andreas Bernard und Ulrich Raulff haben die 1951 erschienenen ",Minima Moralia' neu gelesen" respektive lesen lassen. Die im Buch abgedruckten Einträge wurden von 22 Adorno-Lesern und zwei (!) -Leserinnen ausgewählt und kommentiert. Herausgekommen ist eine durchwegs lesenswerte, weder apologetische noch sentimentale, aber auch nicht auftrumpfend entlarvende Re-Lektüre, auch wenn so mancher im "Palimpsest der eigenen ,Minima Moralia'-Ausgabe" auf Unterstreichungen stößt, über die er "erschrickt". Klar wird, dass die "zwischen Diagnosen von erstaunlicher Aktualität und bloßem kulturkonservativen Ressentiment" (A. Bernard) oszillierenden Stücke (deren "Superklugheit" den Verleger Gottfried Bermann-Fischer so irritierte, dass er das Manuskript trotz Thomas Manns Empfehlung nicht druckte) ihre Brüche und blinden Flecken haben. Aber gerade darin liegt heute das Faszinosum jener stilistisch brillanten Kurzprosa, die konjunktivisch vor allem von einem redet: vom richtigen Leben.

Klaus Nüchtern in FALTER 31/2003 vom 01.08.2003 (S. 56)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Eingriffe (Theodor W. Adorno)

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