Verlag: Suhrkamp
Format: Taschenbuch
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 328 Seiten
Erscheinungsdatum: 26.03.2002

Im Frühjahr 2001 hat Christoph Schlingensief mit seiner Hamlet-Inszenierung am Zürcher Schauspielhaus für öffentliches Aufsehen gesorgt - weil er aussteigewillige Neonazis in seine Theaterarbeit integrierte, weil er bei seinen Straßenaktionen unter anderem zum Verbot der Schweizerischen Volkspartei aufrief, weil er den deutschen Innenminister Otto Schily dazu aufforderte, die Mehrheitsanteile von Torsten Lemmer, dem Produzent und Teilhaber des weltgrößten Vertriebes für rechtsradikale Musik, zu kaufen, und zuletzt, weil er zusammen mit dem Ensemble den Verein „REIN e.V.“ für weitere aussteigewillige Neonazis gründete. Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, ist Jurist und Filmemacher; als sein wichtigstes Werk aber sieht er seine Bücher. »Wenn ich im Jahre 2015 schreibe, liegen die kommenden fünfzehn Jahre unseres Jahrhunderts schon vor meinen Augen. Insgesamt ergibt sich damit, da ich 1932 geboren wurde, eine Chronik über rund hundert Jahre.« Für sein Werk erhielt er viele Preise, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Theodor-W.-Adorno-Preis und zuletzt, 2014, den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. »Ich bin und bleibe in erster Linie ein Buchautor, auch wenn ich Filme hergestellt habe oder Fernsehmagazine. Das liegt daran, daß Bücher Geduld haben und warten können, da das Wort die einzige Aufbewahrungsform menschlicher Erfahrung darstellt, die von der Zeit unabhängig ist und nicht in den Lebensläufen einzelner Menschen eingekerkert bleibt. Die Bücher sind ein großzügiges Medium und ich trauere noch heute, wenn ich daran denke, daß die Bibliothek in Alexandria verbrannte. Ich fühle in mir eine spontane Lust, die Bücher neu zu schreiben, die damals untergingen.« Alexander Kluge (Dankesrede zum Heinrich-Böll-Preis, 1993) Diedrich Diederichsen, geboren 1957 in Hamburg, war in den 1980er Jahren Chefredakteur der Musik- und Popkulturzeitschrift Spex. Er veröffentlicht u.a. auch Texte in der Süddeutschen Zeitung, DIE ZEIT und der taz. Nach seinem Rückzug aus der Spex-Redaktion konzentrierte sich Diedrich Diederichsen auf seine Arbeit im kulturtheoretischen und akademischen Bereich. Seit 2006 lehrt er als Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Rezension aus FALTER 24/2002

Ein knappes Jahr nach seiner Wiener Container-Aktion suchte der deutsche Regisseur Christoph Schlingensief die Schweiz heim: Im Frühjahr 2001 inszenierte er am Schauspielhaus Zürich mit sechs "aussteigewilligen" Neonazis Shakespeares "Hamlet"; er forderte das Verbot der Schweizer Volkspartei und gründete den Verein REIN, mit dessen Hilfe Rechtsradikalen der Ausstieg aus der Szene erleichtert werden soll. Wie zur Wiener Aktion ist nun auch zum Zürcher Projekt ein Suhrkamp-Reader erschienen, in dem Texte von Beteiligten ebenso zu finden sind wie Presseberichte, Interviews und Fotos. Das Buch lässt sich von vorne und hinten aufschlagen: Auf der einen Seite heißt es "Christoph Schlingensiefs Nazis rein" und dokumentiert das Projekt aus der Theaterperspektive; auf der anderen Seite - "Torsten Lemmer in Nazis raus" - gehts um Rechtsradikalismus. Unter anderem findet sich hier ein Text des (ehemaligen?) Rechtsrock-Produzenten Torsten Lemmer und das Transskript eines Talkshow-Auftritts, in dem Schlingensief den Moderator Erich Böhme auf dessen inferiores Interview mit Jörg Haider anspricht. Böhme reagiert ausgesprochen humorlos. Außerdem erschienen: "Rosebud", das Buch zu Schlingensiefs Theaterstück um zwei Abgeordnete, die eine Sonntagszeitung gründen. Eine tragende Nebenrolle in der wüsten Medien-Polit-Satire (uraufgeführt im Dezember 2001 an der Berliner Volksbühne) spielt ein "Journalist, Autor, Dramaturg, Liebhaber und Theaterkritiker" namens Rolli Koberg, der die Gattin des Bundeskanzlers entführt, um mit einer Aufdeckerstory den Pulitzerpreis zu gewinnen. Der frühere Falter-Redakteur Roland Koberg, der jetzt als Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin arbeitet, würde so etwas nie tun!

Wolfgang Kralicek in FALTER 24/2002 vom 14.06.2002 (S. 67)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Rosebud (Christoph Schlingensief)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb