Amras

von Thomas Bernhard

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Verlag: Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 19/2003

Der Ohlsdorfer Karl Ignaz Hennetmair diente Thomas Bernhard nicht nur im engeren Sinne als Realitätenvermittler (drei Häuser), sondern vermittelte dem Autor auch Realität im landläufigen Sinne - vor allem den Menschenschlag jener Landgegenden im Oberösterreichen- und Salzburgischen, der in so vielen Bernhard-Texten ab den frühen Siebzigern auftauchen sollte. Während der Jahre zwischen 1965 und 1975, als Hennetmair und Bernhard beinahe täglich zusammentrafen, war der Mann mit dem Sinn fürs Praktische dem Dichter gleichermaßen Freund, Ratgeber in geschäftlichen Dingen sowie Schutzschild vor lästigen Verehrern. Aufgrund der rapid wachsenden Popularität Bernhards - fantastisch die Szene, in der dieser angesichts von Doderers Todesnachricht jubelnd vom Fernsehsessel aufspringt, weil nun der Weg frei für ihn ist -, beschloss Hennetmair, heimlich ein Jahr lang über die gemeinsam verbrachte Zeit Buch zu führen. Seine nun als Taschenbuch erhältliche Chronik der Ereignisse "Ein Jahr mit Thomas Bernhard. Das versiegelt Tagebuch 1972" entpuppt sich als minutiöse Niederschrift auch noch der (anscheinend) nebensächlichsten Details, mittels der Hennetmair nicht bloß Bernhard darstellen möchte, wie dieser "wirklich" ist, sondern sich auch selbst schreibend der Welt versichert. In seinem nüchtern-präzisen, dabei oft hochkomischen Stil gelang dem mit weit mehr als einer bauernschlauen Intelligenz ausgestatteten Immobilienmakler ein unschätzbares Dokument nicht nur für Bernhard-Freunde. Sollte man nach der Lektüre des Tagebuches wieder einmal Lust auf Primärstoff verspüren, so bietet sich die anlässlich von vierzig Jahren edition suhrkamp erschienene "Amras"-Neuedition an. Der kurz vor der Bekanntschaft mit Hennetmair verfasste Text über die unausweichlich zum Tod führende Krankheit eines Brüderpaars hat sich gut gehalten, das (weiße!) Cover freilich ist eine äußerst fragwürdige Adaption des klassischen Designs von Willy Fleckhaus.

Wolfgang Paterno in FALTER 19/2003 vom 09.05.2003 (S. 68)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Ein Jahr mit Thomas Bernhard (Karl Ignaz Hennetmair)

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