Homo cerebralis
Der Wandel vom Seelenorgan zum Gehirn

von Michael Hagner

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Suhrkamp
Format: Taschenbuch
Genre: Geisteswissenschaften allgemein
Umfang: 382 Seiten
Erscheinungsdatum: 20.10.2008

Rezension aus FALTER 13/2009

Vom Kognitionsforscher Donald Hoffman stammt der Aphorismus, das Gehirn sei nicht nur nicht der Ort des "Denkens", sondern seinerseits ein Produkt des Bewusstseins, um sich selbst verständlich zu machen. Dahinter steckt historisches Bewusstsein, wie die Habilitationsschrift von Michael Hagner lehrt. Schon der Zeitgenosse und Kritiker von Descartes Thomas Willis ordnete Bewusstseinsfunktionen bestimmten Hirnpartien zu. Er suchte allerdings noch mit Descartes nach dem "Seelenorgan", durch das die immaterielle Seele auf den Körper einwirken sollte.
Erst um 1800 gab man diese Vorstellung auf. Anatomie, Physiologie, Anthropologie und Philosophie standen fortan im Konflikt, die Ganzheitsentwürfe der romantischen "Naturphilosophie" blieben Episode. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die "harten" Naturwissenschaften zum alles erdrückenden Erkenntnismodell und die Lokalisierung des Denkens im Gehirn zur "Ideologie".
Hagners überaus lesbares und lesenswertes Buch lehrt jedoch auch: Die romantische Naturphilosophie machte sich zwar selbst durch Hoffart und praktischen Dilettantismus schon kurz nach 1810 unmöglich – doch sie inspirierte fortan immer wieder Naturwissenschaftler, keinem rohen Materialismus zu verfallen und nach komplexeren, ganzheitlicheren Modellen zu suchen.

Sebastian Kiefer in FALTER 13/2009 vom 27.03.2009 (S. 20)


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