Heartcore
Gedichte

von Albert Ostermaier

€ 21,40
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Verlag: Suhrkamp
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Lyrik
Umfang: 128 Seiten
Erscheinungsdatum: 31.10.1999

Albert Ostermaiers Gedichte sind Polaroids der Gegenwart, sie feiern den Moment und sind dennoch on the run. Sie schlagen den Bogen zwischen dem Chaos Kalkuttas und der Wüsteneinsamkeit des Death Valley, sie intonieren den harten Rhythmus der Städte ebenso wie die Melancholie nicht enden wollender Landschaften, die Hektik der Metropolen und die nervöse Statik großer Gefühle. Jenseits von Idylle und Zynismus können plötzlich hart und Herz eines sein, kann ein Liebesgedicht mit größter Zärtlichkeit sprechen vom metall/ im mund kalt wie der diamant/ auf deiner zungenspitze/ den du an meinen zähnen/ scharf geschliffen hast. Manchmal wird das Sprechen zum Flüstern kurz vor dem Schweigen, nicht selten auch zum Schreien. Fast immer eignet diesen Texten etwas Gestisches, kein Wunder bei jemandem, der in den letzten Jahren auch als Theaterautor Furore gemacht hat. Politische Themen finden sich neben Privatestem wie selbstverständlich, wie naturnotwendig: solang der mond noch/ voll ist wie die welt & man/ bevor sie schlecht sind/ menschen schlachten/ kann solang wird ich nicht/ fertig sein mit euch & dem/ regen mein abc einpauken, heißt es etwa in der Brechthommage face fatzer. Die Texte diese Bandes werden in einer dramatisierten Fassung im November 1999 auf die Bühne des Marstalls/ Bayrisches Staatsschauspiel gelangen. Eine BR-Hörfassung, in der die lyrischen Szenen auf klassische Klänge, auf Techno, Ambient und Pop treffen, liegt dem Band auf CD bei. Albert Ostermaier (geb. 1967) lebt und arbeitet in München. 1988 beginnt er erste Gedichte zu veröffentlichen und erhält zwei Jahre darauf mit dem Literaturstipendium der Stadt München seinen ersten Preis. Das 1993 geschriebene und 1995 im Bayerischen Staatsschauspiel München uraufgeführte Stück Zwischen zwei Feuern. Tollertopographie eröffnet Albert Ostermaiers Karriere als Theaterautor. Er wird Hausautor am Nationaltheater in Mannheim (Spielzeit 1996/1997), am Bayerischen Staatsschauspiel (Spielzeit 1999/2000) und am Wiener Burgtheater (Spielzeit 2003-2009). Seine Theaterstücke werden/wurden von vielen namhaften Regisseuren inszeniert, u.a. von Andrea Breth, Lars Ole Walburg und Martin Kušej. In 2012 gab es drei neue Theaterstücke und Uraufführungen. Ein Pfund Fleisch am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, die Dramatisierung des jüngsten Romans Schwarze Sonne scheine in Luxemburg und Call me God im Residenztheater. Neben seinen zahlreichen Lyrik-Bänden und Theaterstücken schrieb er 2008 seinen ersten Roman Zephyr und 2011 Schwarze Sonne scheine, der auch als Hörbuch erschien und mit dem Preis der Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Im Prestel-Verlag ist 2012 der Fotoband Venedig. Die Unsichtbare von Christopher Thomas mit Gedichten von Albert Ostermaier erschienen und zuletzt bei Suhrkamp die Erzählung Die Liebende. Im September 2013 erschien sein Roman Seine Zeit zu sterben im Suhrkamp Verlag, ein Thriller, der in der Glitzerwelt Kitzbühels spielt. Albert Ostermaier wurde mit namhaften Preisen und Auszeichnungen geehrt, u.a. dem Kleist-Preis, dem Bertolt-Brecht-Preis und in 2011 mit dem Welt-Literaturpreis für sein literarisches Gesamtwerk. Er ist zudem Torwart der deutschen Autorennationalmannschaft und Kurator bei der DFB-Kulturstiftung. Albert Ostermaier war ›writer in residence‹ in New York und übernahm in den letzten Jahren Gastdozenturen an diversen deutschen Universitäten. Als Künstlerischer Leiter verschiedener Festivals hat Albert Ostermaier großes Ansehen erlangt.

Rezension aus FALTER 50/1999

"Wir werden lange unterwegs / sein ich will dich mitten in / der wüste auf einem flugzeug / friedhof lieben in einem gräber / feld aus bombern (...) / (...) ich will mit dir / auf den tragflächen liegen & / den regen anbeten & zusehen / wie unser schweiss die ein / schusslöcher zum überlaufen / bringt mit meinen lippen will / ich deinen körper nach minen / absuchen auf deinen knöcheln / meinen atem beschleunigen & / über deinen brüsten abheben."

Gut, dieses Gedicht ("abrüstung") ist hart an der Grenze. Wenn es erotisch wird, nehmen die Gefahren der Peinlichkeit gleichsam automatisch zu, und die Analogien zwischen Krieg, Tod und Eros tragen das Ihre dazu bei. Aber gehen nicht auch die Texte, die Jochen Distelmeyer für die Hamburger Band Blumfeld schreibt, gerne zu weit, und beziehen sie nicht gerade daraus ihren Reiz? Eben.

Womit der Theaterautor und Lyriker Albert Ostermaier (Jahrgang 1967) auf jeden Fall unsere Sympathien verdient, ist der Umstand, dass er sich mit seinem Gedichtband "Heartcore" fern hält von der "Ich schreib mal eben einen Roman"-Attitüde, mit der "irgendwie im Kulturbereich" tätige Twenty- und Thirtysomethings derzeit ganz gut verdienen können. Wobei das Buch schon im Titel eine gewisse poppige Knalligkeit anklingen lässt, die freilich nicht nur Kalkül ist: "Heartcore" - in Herzensangelegenheiten geht es halt häufig hart her. Gerade wenn es, wie hier, um kurze Freuden mit anschließenden Aufbrüchen und Abschieden geht.

Dem Buch liegt eine Hörspiel-CD des Bayrischen Rundfunks bei, auf der die dafür bunt durcheinander gewürfelten Gedichte von nicht eben tollen Sprechstimmen vorgetragen und von Drum-'n'-Bass-Musik untermalt werden, die auf eine düstere Funk- und Jazzrock-Vergangenheit des Komponisten Bert Wrede schließen lässt. Besser ist es also, auf die akustische Untermalung zu verzichten und sich bei der Lektüre - in Ermangelung der Kenntnis von Ostermaiers Stimme - jene von Jochen Distelmeyer vorzustellen.

Etwa beim Lesen des von der Love Parade inspirierten Gedichts "fausts trip to the hip": "ich wollte die welt verändern / und die welt rennt mir davon / wollte herrscher sein den ländern / aber sie höhnen alter come on / (...) / aber wenn ich die mädels so anseh / mit ihren gretchenzöpfchen o weh / die blondchen auf den truckrampen / diese schmallippigen schlampen / die bauchnabel voller diamanten / wäre ich gern einer der probanden / und liess an mir herumprobieren / arme beine einfach alles tätowieren / trieb mir die nadeln durch die backen / bewegte mich in ausgesuchten lacken / wär dabei bei jeder schweinerei / mein gen freunde sei für euch frei / zum teufel mit der ganzen sucherei."

Sebastian Fasthuber in FALTER 50/1999 vom 17.12.1999 (S. 74)


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