Requiem für Ernst Jandl

von Friederike Mayröcker

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Verlag: Suhrkamp
Format: Taschenbuch
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 48 Seiten
Erscheinungsdatum: 26.02.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

Friederike Mayröckers "Requiem für Ernst Jandl" gibt Aufschluss über ein Zusammenleben, das in der Weltliteratur nicht seinesgleichen hat.

Diese Schrift lässt sich nicht "ankündigen" oder gar "besprechen": Sie entzieht sich nicht nur durch ihren traurigen Anlass, sondern auch als literarische Form, in ihrem elegischen Grundton, dem wertenden Vokabular. Und doch sollten Worte gefunden werden, die dem Text mit der Dezenz begegnen, die ihn auszeichnet: "Wo deine Seele blutet, sagt Elke Erb, wie solltest du da nicht Worte finden, sagt Elke Erb, zwischen Mongolei Melancholie Monochromie und grünen Passanten, sendet er dir nicht die Fülle von freundlichen Seelen dass sie rund um dich, ich meine dich in einem Halbkreis, dir die Hände halten."

Und so findet Friederike Mayröcker auch Worte, die trotz des Schmerzes, der sie begleitet, nie der klaren Sicht auf die Dinge entraten, die alles deutlicher und lebendiger und auf unpathetische Art freundlicher macht: die Schuhe in den Regalen, das Gewand, die Schirmkappe, die Brille und das Schweizermesser.

Das Buch besteht vor allem aus zwei etwas längeren Prosastücken, von denen eines, das eigentliche Requiem, den Titel "will nicht mehr weiden" hat, während das anderemit "the days of wine and roses" überschrieben ist und sich mit einem Bericht an eine Person ("Leo N.") im Stil der großen Prosa der letzten Jahre richtet. Ein Text zu "ottos mops" aus dem Jahre 1976, zwei Gedichte und vor allem eine Erinnerung an ein Gedicht Jandls und eine zu diesem gehörige Paraphrase zeugen von der eigentümlich undramatischen Intensität des gemeinsamen Lebens, das fast fünfzig Jahre währte, eine einmalige Verbindung, zu der sich in der Geschichte der Weltliteratur nichts Vergleichbares findet.

In fast jeder Zeile dieser Schrift wird manifest, wie für beide Leben Schreiben bedeutete, und so liefert das Buch auch Einsichten in die Poetik sowohl Ernst Jandls als auch Friederike Mayröckers, so etwa wenn "er" Francis Bacon zitiert, der meinte, dass der "Künstler in seinem Werk dem Zufall gehörigen Raum geben", aber doch einen "höchsten Grad von Genauigkeit anstreben sollte". Dies sei auch ihrer beider Maxime gewesen.

Der Text ist schön, weil er nichts beschönigt. Da ist von Jandls Krankheit die Rede, von depressiven Phasen, von Phasen der Überaktivität, von der Einsamkeit der Schreibenden, in dessen Wohnung sich die Blätter stapeln, "hingeworfen in Selbstverachtung, Selbstzerfleischung, Egalität". Das Gedicht, dessen sich Friederike Mayröcker mit liebevoller Akribie erinnert, bannt diesen Zustand mit bezwingender Einfachheit in ein Bild:

"in der küche ist es kalt
ist jetzt strenger winter halt
mütterchen steht nicht am herd
und mich fröstelt wie ein pferd."

Wendelin Schmidt-Dengler in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 16)


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