Die zahnlose Zeit
Prolog: Die Schlacht um die Blaubrücke. Roman

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Suhrkamp
Genre: Belletristik
Erscheinungsdatum: 26.02.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

A.F.Th. van der Heijden schickt seinen Helden in eine Straßenschlacht.

Die Romane des A. F. Th. van der Heijden beginnen oft mit schönen Beispielen für die Verkommen- und Heruntergekommenheit ihrer Helden: einsetzendes Quartalssäufertum ("Der Anwalt der Hähne"), Reliquiendiebstahl ("Fallende Eltern"), kindliche Tierquälerei ("Das Gefahrendreieck"). Der soeben erschienene "Prolog" zu dem Romanzyklus "Die zahnlose Zeit" trägt den Titel "Die Schlacht um die Blaubrücke" und führt uns Albert Egberts beim Versuch vor, Autos zu knacken. Pech für ihn: Vor dem Königinnentag, der mit Alberts 30. Geburtstag zusammenfällt, wurden ganze Stadtteile autofrei gemacht; und als Egberts endlich einen Fiat 133 aufkriegt, entpuppt sich dieser als Behindertenfahrzeug, was a) Egberts Restgewissen und b) sein Gedächtnis mobilisiert, darüber hinaus aber c) einen Hundebiss zur Folge hat.

Die Ereignisse öffnen plötzlich eine Tür in die Vergangenheit, und in langen Rückblenden, die zwischen wenige Sekunden gegenwärtiger Handlung geschoben sind, eröffnet sich auch jener Gedächtnisraum, der Albert seinerzeit sein "Leben in die Breite" ermöglichte. Im Zeitraum von einer Nacht und einem Tag begegnet er in der Erinnerung und der Realität Personen aus der Vergangenheit, Zeugen der eigenen Schmach.

Die Klimax des Romans ist die titelgebende Schlacht zwischen militanten Demonstranten und der Polizei. Es hagelt Steine, Schläge und Tränengasgranaten; Albert gerät genau zwischen die Fronten und findet sich plötzlich mit einem Stein in der Hand unter einem Hubschrauber, der unmittelbar über seinem Kopf steht: "Schleuderte ich jetzt, wie ich so inständig gebeten wurde, meinen Stein in die Rotorblätter, würde es Menschenleben kosten, doch nie, nie, nie würde sich dieser pseudoamerikanische Sturzflug abstreiten lassen."

Mit Albert Egberts vertraute Leser können sich ausrechnen, wie die Sache ausgeht. Sie sollten ihre Hypothese aber unbedingt überprüfen. Und auch allen anderen sei geraten, die Tür zum Romankosmos des A. F. Th. van der Heijden aufzustoßen und auf diese Weise ein Leben in die Breite zu beginnen.

Klaus Nüchtern in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 9)


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