Wer durch mein Leben will, muss durch mein Zimmer

von Thomas Brasch

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Verlag: Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 01.01.2002


Rezension aus FALTER 11/2003

Die Lebensgeschichte des 2001 verstorbenen Schriftstellers Thomas Brasch ist so einzigartig wie symptomatisch für eine Generation von Autoren, deren Leben und Denken vom Eisernen Vorhang bestimmt wurde. Für den Westen war der von Drogen gezeichnete Anarchist zu links, für den Osten, wo der Sohn eines 1947 in den Osten emigrierten Kommunisten bis zu seiner Ausreise 1976 als Beatnik agitierte, trug er das falsche Rot. "Über uns schließt sich ein Himmel aus Stahl", der Titel einer räudigen Erzählung aus dem Band "Vor den Vätern sterben die Söhne", dessen Veröffentlichung ihn 1977 berühmt gemacht hat, dürfte das Lebensgefühl auf den Punkt gebracht haben. Obwohl das Buch an einen historischen Kontext gebunden ist, hat es nichts an Vitalität verloren. Für Brasch endete das Leben hinter den Betonmauern der Borniertheit nicht mit dem Grenzübertritt. "Ich bin eine Geisel. Ich werde abgewartet, ich werde zur Verfügung gestellt." Diese Worte blieben auch im West-Kulturbetrieb gültig: "Und so reihte ich mich unter die Schwätzer."Der von Fritz J. Raddatz und Braschs Lebensgefährtin Katharina Thalbach herausgegebene Band "Wer durch mein Leben will, muss durch mein Zimmer" kartographiert minutiös die seelische Landschaft des Kopf-Punks von drüben. Wer nichts von Brasch kennt, dem seien - sofern er im Konsumieren von anspielungsschwangerer Lyrik geübt ist - diese Gedichte aus dem Nachlass wärmstens empfohlen. Immer wieder wird in streng nach Regel gestrickten Sonetten und Blankversen der Volksknast DDR formal gespiegelt, um dann mit Ironie gesprengt zu werden. Denn
"Die Reime sind schön sie belügen dich
Das macht sie ähnlich deinen zwei Ländern
Sie zwingen dich Und sie fügen sich
Was willst du immer noch an beiden ändern." Thomas Brasch blieb zwischen den Stühlen sitzen, um sich dabei langsam selbst zu vernichten.

Martin Droschke in FALTER 11/2003 vom 14.03.2003 (S. 63)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Vor den Vätern sterben die Söhne

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