Die Kuckucke von Velika Hoca
Eine Nachschrift

von Peter Handke

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 01.03.2009

Rezension aus FALTER 12/2009

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück: Peter Handke hört den Kuckuck im Kosovo rufen

Vor knapp zwei Jahren hat Peter Handke die 50.000 Euro des neugestifteten Berliner Heine-Preises (nachdem ihm, Handke, der Düsseldorfer Heine-Preis vorenthalten worden war) den Einwohnern von Velika Hocˇa geschenkt. Ein gutes Jahr später hat er sich wieder in die serbische Enklave im Kosovo aufgemacht.
Seit Handke sein polit-poetisches Pro-Serbien-Projekt begonnen und einige seiner keineswegs nur politisch unsäglichsten Texte geschrieben hat, wird er von einem antijournalistischen Affekt angetrieben, stellt dem ideologisch verbohrten Blick der "Fernfuchtler" das unverstellte Schauen und Sagen des Dichters entgegen. Nun drängt es ihn selbst, "den und jenen einzelnen im serbischen Kosovo ausführlich, sozusagen systematisch, in der Rolle eines Reporters oder meinetwegen Journalisten, zu befragen" (…).

Handke als Reporter? Das geht voraussehbarerweise schief: Als er tatsächlich Fragen stellt und den Block zückt, erscheinen ihm die Antworten wie "eingeübt". Es geht dem gehenden Dichter immer darum, eine gleichsam wirklichere Wirklichkeit zu erfassen als diejenige, die sich dem journalistischen Zugriff erschließt. Dabei trägt er einerseits seine skeptische Selbstreflexivität vor sich her, und die entsprechenden Einschübe machen die labyrinthische Syntax (ein Satz bringt es gar auf gezählte 229 Wörter) nicht gerade übersichtlicher. Zum anderen muss er sich auf Evidenzen, auf Erspürtes und Erahntes berufen (was wiederum den Vorwurf der "Esoterik" nahelegt).
Wo er ganz bei sich, bei seiner Wahrnehmung, ja seinem Wahrnehmenwollen ist, glückt Handke indes einiges, sogar Humor. Die gespannte Erwartung auf den ersten "Kuckucksruftag" beschert ihm schon Halluzinationen, da wird ihm überraschend überreiche akustische Ernte zuteil: "In Velika Hocˇa dagegen vom ersten Augenblick an ein regelrechtes Kuckuckswelttreffen oder -konzil, vielleicht nicht gerade der Liebe wegen, aber auch nicht zum Streit."

Klaus Nüchtern in FALTER 12/2009 vom 20.03.2009 (S. 31)


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