»fuer Zwecke der brutalen Verstaendigung«
Hans Magnus Enzensberger – Uwe Johnson. Der Briefwechsel

von Hans Magnus Enzensberger, Uwe Johnson, Henning Marmulla, Claus Kröger

€ 27,60
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Verlag: Suhrkamp
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Briefe, Tagebücher
Umfang: 342 Seiten
Erscheinungsdatum: 12.10.2009

Rezension aus FALTER 46/2009

Enzensberger vs. Johnson: Dokumente einer irreparablen Entfreundung

Im August 1966 erinnert Uwe Johnson seinen Kollegen Hans Magnus Enzensberger mit einem zwingenden Argument an dessen Briefschulden: Die Gesamtausgabe ihres Briefwechsels sei auf zwei Bände angelegt – dazu müsse auch Enzensberger seinen Beitrag leisten. Am Ende ist nun ein einziger Band erschienen mit 161 Briefen aus den Jahren 1959 bis 1975, wobei die wenigen Briefe nach 1968 nur noch als Epilog einer irreparabel zerbrochenen Freundschaft zu lesen sind.
Doch hätte es überhaupt jemals gut gehen können mit den beiden? Da ist auf der einen Seite der sozial hochbegabte "Mang", begleitet von seinen "Schutzpatronen Zappelphilipp und fliegender Robert", auf der anderen der prinzipientreue Johnson, der es sich und seiner Umgebung immer ziemlich schwergemacht hat. Zusammengehalten hat sie vielleicht überhaupt nur ihr ­gemeinsamer Verlag, Suhrkamp natürlich, damals eine Versammlung bemerkenswert selbstbewusster junger Männer.
Enzensberger ist zu Beginn des Briefwechsels 30, Uwe Johnson gerade mal 25, Verleger Unseld 35 Jahre alt. Nachdem der Plan für eine europäische Literaturzeitschrift gescheitert ist, verbindet die beiden vor allem die Arbeit an den ersten Ausgaben des Kursbuchs, das ab 1965 erscheint.
Aber es entwickelt sich auch eine ­Familienfreundschaft, die Enzensbergers und Johnsons Frauen miteinbezieht. Die entspanntesten Briefe mischen familiäre Nachrichten mit beruflichen Angelegenheiten – doch diese Harmonie endet 1967.
Enzensberger möchte, wie so viele seiner Generation, Solidarität zwischen Intellektuellen und Arbeitern stiften, was Johnson, acht Jahre vorher aus der DDR nach Westberlin übergesiedelt, höchst suspekt ist. Dazu kommen private Verwerfungen. Johnson, der damals bereits in New York lebte, will nur aus der Zeitung erfahren haben, dass Enzensbergers Ehe in die Brüche gegangen war. Außerdem erreichten ihn Beschwerden seiner Berliner Vermieter: In seiner leerstehenden Wohnung hatten Enzensbergers Exfrau und der Bruder Ulrich ohne Johnsons Wissen die Kommune I gegründet. Alle Beschwichtigungsversuche Enzensbergers waren umsonst, die Freundschaft unwiderruflich zu Ende.
Zwei Bände Briefwechsel? Daraus konnte nichts werden. Aber seien wir zufrieden mit einer schmalen, interessant kommentierten Korrespondenz, die zwei Heroen der deutschen Nachkriegsliteratur vor dem Hintergrund literarisch und politisch bewegter Jahre in lebendige, bisweilen beklemmende Nähe rückt.

Tobias Heyl in FALTER 46/2009 vom 13.11.2009 (S. 34)


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