Jürgen Habermas

Eine Biographie
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Kurzbeschreibung des Verlags:

»Jürgen Habermas«, so schrieb der US-amerikanische Philosoph Ronald Dworkin anlässlich des 80. Geburtstags des großen europäischen Denkers, »ist nicht nur der berühmteste lebende Philosoph der Welt. Sein Ruhm selbst ist berühmt.« Nach mehrjährigen Forschungen, intensiver Recherche und ausführlichen Gesprächen mit Weggefährten, Zeitzeugen sowie mit Habermas selbst legt Stefan Müller-Doohm nun die erste umfassende Biographie des bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit vor. Sie beleuchtet sowohl das Zusammenspiel von philosophischer Reflexion und intellektueller Intervention als auch das Wechselverhältnis von Lebens- und Werkgeschichte vor dem Hintergrund historischer Ereignisse.

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FALTER-Rezension

Zwangloser Zwang

Jürgen Habermas ist der berühmteste lebende Philosoph der Welt. "Hegel der Bundesrepublik" hat ihn die Hamburger Zeit einmal genannt. Das sei, meint sein Biograf Stefan Müller-Doohm, "das Interessanteste, diese Verbindung, einerseits der weltbekannte Philosoph, andererseits ein öffentlicher Intellektueller, der massiven Einfluss auf die Bewusstseinsgeschichte genommen hat". Bald 70 Jahre ist es jetzt schon her, dass Habermas als junger Mann in das legendäre Hamburger Institut für Sozialforschung eintrat und Assistent von Theodor W. Adorno wurde. Institutschef Max Horkheimer sah das gar nicht gern, für ihn war Habermas ein "Marxist", und er fürchtete, der "dialektische Herr H." würde "den Geschäften der Herren im Osten Vorschub leisten".
Habermas ist, wie er selbst mit leiser Ironie über sich sagte, "nicht ohne polemisches Talent". Er hat eine journalistische Ader, mit griffigen Formulierungen sicherte er sich auch Aufmerksamkeit. "Herrschaftsfreier Diskurs","Kolonisierung der Lebenswelt","Entsorgung der Vergangenheit", das sind so Habermas-Wendungen, die weit über das fachphilosophische Publikum hinaus zu gebräuchlichen Formeln wurden. Dass eine pluralistische Demokratie vom Ideal des "zwanglosen Zwangs des besseren Argumentes" lebt, ebenso. Habermas hat einen schier unbegrenzten Sinn für Ambiguitäten. So betont er den heute verbreiteten pluralistisch-egalitären Konsens, zu dem auch gehört, dass jeder Person Ansicht gleich viel wert sei, jeder das Recht habe, gehört zu werden, niemand sich als etwas Besseres vorkommen solle.

Eine Kakofonie von Geplapper ist in gewisser Weise die unerfreuliche Folge dieses erfreulichen Konsenses. Habermas wird der Kopf der Kritischen Theorie, also der Repräsentant der Frankfurter Schule, aber er verformt und verändert sie auch, nimmt ihr das dunkle, pessimistische Raunen. "Er hat sich schnell frei gemacht von dem Schwarzin-Schwarz der Zeitdiagnose", so Müller-Doohm: "Er ist ein Aufklärer in der großen, alten Tradition des Wortes."

Robert Misik in Falter 38/2022 vom 23.09.2022 (S. 35)

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Produktdetails
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ISBN 9783518424339
Erscheinungsdatum 16.06.2014
Umfang 784 Seiten
Genre Sachbücher/Philosophie, Religion/Biographien, Autobiographien
Format Hardcover
Verlag Suhrkamp
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