Verzeichnis einiger Verluste

von Judith Schalansky

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Verlag: Suhrkamp
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 252 Seiten
Erscheinungsdatum: 21.10.2018


Rezension aus FALTER 50/2018

Verloren, verschollen, verstiegen

Ein Buch wie ein Grabstein: Auf der düster marmorierten Front ist in silbernen Versalien der Titel eingestanzt: „Verzeichnis einiger Verluste“. Zwischen den beiden Deckeln: ein Dutzend Texte, jeder von ihnen exakt 18 Seiten lang und von dem nächsten durch ein Zwischenblatt getrennt, auf dessen Rückseite, schwarz auf schwarz, schemenhaft ein Bild des jeweiligen Verlustes zu erahnen ist: der vernichteten Bücher des babylonischen Religionsgründers Mani etwa oder des Palasts der Republik aus der ebenfalls verschwundenen DDR, in der die Schriftstellerin und Buchgestalterin Judith Schalansky noch aufgewachsen ist.

Abgesehen vom Bezug auf Verschwundenes, Vernichtetes, Verschollenes haben die einzelnen Textepitaphe nichts gemeinsam. Es sind Erzählungen, Erörterungen, Essays unverstellt autobiografische Berichte, die es sich auch noch angelegen sein lassen, einen je eigenen Tonfall zu etablieren. Fraglos geglückt ist das im Falle jener beiden Stücke, in denen sich die Autorin in die Köpfe historischer Personen versetzt: in jenen des eigenbrötlerischen Privatenzyklopädisten Armand Schulthess und jenen der übellaunigen Greta Garbo, die dem verunglückten Regisseur F.W. Murnau nachtrauert und auf der Suche nach einem Pullover in Gammelrosa „mausmutterseelenallein“ durch Manhattan stromert.

Schalansky kann fraglos viel. Sie zeigt es aber auch gerne her. „Verzeichnis einiger Verluste“, heuer mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis bedacht, ist ein nicht ganz uneitles Buch. Gewiss, emeritierten Altphilologen und -historikern wird das Herz im Leibe hüpfen, dem gemeinen Leser aber kann das Bildungsgepränge voller Spolien, Aposiopesen, Galeassen und Ligaturen schon ein bissl auf den Wecker fallen. Und es ist nicht alles edel, was glänzt. Wenn Captain Cook auf seiner Resolution eine Meuterei wittert, liest sich das so: „Das Wort, ein Zündholz unter der sengenden Sonne, nur darauf aus, Funken zu schlagen, stand im Raum“. Das ist, mit Verlaub, Unfug. Bleibt als Fazit: ein ziemlich verstiegenes Konzeptalbum mit ein paar tollen Songs.

Klaus Nüchtern in FALTER 50/2018 vom 14.12.2018 (S. 30)


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