Frau im Dunkeln
Roman

von Elena Ferrante

€ 22,70
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Übersetzung: Anja Nattefort
Verlag: Suhrkamp
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 188 Seiten
Erscheinungsdatum: 11.02.2019


Rezension aus FALTER 10/2019

Ferrante oder: Die Puppe als Abgrund

Außerhalb Italiens liest man Elena Ferrante rückwärts. Obwohl die meisten Bücher der italienischen Schriftstellerin schon vor dem großen Erfolg der Freundinnen-Tetralogie (die Bezeichnung „Neapolitanische Saga“ ist mittlerweile dafür gebräuchlich) übersetzt worden waren, wurde sie erst durch „Meine geniale Freundin“ und die drei Nachfolgebände international bekannt.

Nach und nach erfahren wir nun durch Neuübersetzungen, was Ferrante vor dem Kampf der beiden Mädchen Elena und Lila um Unabhängigkeit und Anerkennung in einer Welt der Gewalt und der Selbstzweifel geschrieben hat. Nach „Lästige Liebe“, Ferrantes Debüt (1992, neu übersetzt 2018), folgt nun „Frau im Dunklen“ aus dem Jahr 2007.

Die Geschichte beginnt mit einem Unfall. Leda, aus armen Verhältnissen in Neapel stammend, Universitätsprofessorin, Mutter zweier erwachsener Töchter, knapp 50, geschieden, kommt mit dem Auto von der Straße ab. Im Krankenhaus beruhigt man sie, nichts Gröberes sei passiert. Wenn da nicht eine Stichwunde unterhalb der Rippen wäre. Mit dem Satz „Die Dinge, die wir selbst nicht verstehen, sind am schwierigsten zu erzählen“ endet das erste Kapitel. Wie es zu dieser Verletzung kam, davon handelt der Roman.

Leda verbringt den Sommer allein an einem Strand und beobachtet eine neapolitanische Großfamilie. Besonders eine junge Frau und deren kleine Tochter, die immer ihre Puppe dabeihat, beschäftigen sie. Als Rückwärtsleserin und -leser erkennt man Motive aus der Freundinnen-Tetralogie: die Puppe, die Düsternis und Gefahr bedeutet, die Frau, die nach außen hin alles erreicht hat, aber von ihrer eigenen Familiengeschichte nicht loskommt und als Mutter ständig an sich zweifelt. Leda, die Ich-Erzählerin, erinnert darin stark an Elena Greco, die in ihrer Ambivalenz und unangenehmen Offenheit mit sich und der Welt niemals eine banale Identifikation zulässt, sondern immer zu Reflexion und Distanz zwingt. Die Kürze tut dem Roman, seiner Spannung und Verdichtung gut. Ein großartiges Buch, das Frauenleben leben lässt.

Stefanie Panzenböck in FALTER 10/2019 vom 08.03.2019 (S. 30)


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