Heimat: Gemischte Gefühle
Zur Dynamik innerer Bilder

von Rainer Gross

€ 21,00
Lieferung in 2-7 Werktagen

Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Format: Taschenbuch
Genre: Psychologie/Allgemeines, Lexika
Umfang: 175 Seiten
Erscheinungsdatum: 11.03.2019


Rezension aus FALTER 20/2019

Wie kann man über Heimat nachdenken?

Anywheres“ werden Menschen genannt, die nirgendwo und deswegen überall zu Hause sind, also Kosmopoliten, „Somewheres“ diejenigen, die irgendwo hängen geblieben sind, in den Ghettos der Vororte oder der Trostlosigkeit der Provinz. Daneben gibt es dann noch jene, die gerne daheim blieben, aber nicht können, weil sie auf der Flucht vor Verfolgung oder Perspektivlosigkeit sind.

Für Rainer Gross, Psychiater, Psychoanalytiker und Vorkämpfer der Antipsychiatriebewegung, ist Heimat nicht in erster Linie ein Ort, sondern eine Haltung und eine Gemengelage von Gefühlen. Heimat trägt man im Hirn – frei nach Tom Waits’ „Anywhere I’m gonna lay my head (I’m gonna call my home)“. Gross verortet sie im psychodynamischen „Spannungsfeld zwischen Herkunft und Ankunft, vorgegebener Biografie und veränderbarer“. Der Heimatbegriff werde dadurch zum „Assoziationsgenerator“ und zum „politisch umkämpften Konzept“.

Gross’ Buch „Heimat“ fungiert selbst als Assoziationsgenerator. Das liegt nicht etwa daran, dass seine Thesen unausgegoren wären, sondern daran, dass sein Buch so unausgesetzt zum Denken auffordert. Auf knapp 170 stilistisch im besten Sinne lässigen, aber inhaltlich dichten Seiten wird dem Leser nichts geschenkt.

Dieser kann sich auf eine flotte, ungemein gelehrte Auseinandersetzung mit Heimat aus etymologischer, soziologischer und psychoanalytischer Perspektive gefasst machen. Willkommene Atempausen und Konkretisierung bilden Fallbeispiele über den Heimatfilm, Fußball oder Ostalgie.

Wer hofft, eine Antwort auf die Frage, ob Heimat nun „Symptom oder Bewältigungsstrategie“ ist, einfach vorgekaut zu bekommen, wird todsicher enttäuscht. „Heimat“ will nicht belehren, sondern zum Nachdenken anregen, denn: „Ein ‚Nachdenken‘ über Heimat scheint immerhin möglich.“ In politisch brisanten Zeiten wie diesen scheint es außerdem ratsam, Gross’ kleines Buch als Vademecum gegen die populistische Vereinnahmung der Heimat dabei zu haben.

Thomas Walach in FALTER 20/2019 vom 17.05.2019 (S. 34)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
Warenkorb anzeigen