Die Europäische Integration als Elitenprozess
Das Ende eines Traums?

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Genre: Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum: 15.01.2009

Rezension aus FALTER 8/2009

Breitseite für die EU: Demokratie-Defizite, perverse Budgetpolitik

"Das Auseinanderfallen ist eine reale Möglichkeit auch für die Europäische Union. (...) Die ersten Mitgliedstaaten, die sich abtrennen würden, würden wahrscheinlich nicht die armen peripheren Länder im Süden und Osten Europas sein, sondern eher wohlhabende Länder im Norden und Nordwesten." Max Haller beschränkt sich in seinem 500-Seiten-Werk "Die Europäische Integration als Elitenprozess. Das Ende eines Traums?", das nach seiner englischen Erstpublikation bei Routledge nun auch auf Deutsch vorliegt, aber nicht auf düstere Prognosen. Dennoch: Auch ein halbes Jahrhundert europäischer Integration habe nicht zu einer positiveren Einstellung zu diesem Projekt und zur EU geführt, konstatiert Haller. Die Kluft zwischen den einschlägig engagierten Eliten und der Bevölkerung sei gewachsen und bei EU-Volksabstimmungen sinke die Zustimmung stets mit der Wahlbeteiligung. Eine Breitseite gibt es auch für demokratische Defizite: Man könne, so Haller, im Europäischen Parlament kaum von einem offenen Wettbewerb verschiedener Ideologien sprechen, es sei mit nebensächlichen Dingen überbeschäftigt. Sowohl die Europäische Kommission als auch der Europäische Rat, der sich aus den nationalen Regierungen zusammensetzt, seien keiner Wählerschaft direkt verantwortlich.

Und das große Friedensprojekt? Auch ohne EU hätten sich Frankreich und Deutschland nach 1945 kaum mehr bekriegt. Der wirtschaftliche Nutzen? Die EU-Budgetpolitik und ihre Agrarsubventionen seien pervers, das Wirtschaftswachstum sei in den USA zuletzt deutlich besser gewesen (Haller bezieht sich dabei auf die Zeit vor der Krise, Anm.).

Letzteres wäre derzeit kaum ein Vorbild, gilt doch das mit ausländischem Kapital finanzierte US-Wachstum als zentraler Auslöser der globalen Wirtschaftskrise - Hallers Argumente sind zwangsläufig zeitgebunden. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei seinem Buch um eine lesbare Streitschrift, die fundierte Einblicke in die Funktionsweisen der EU und ihrer Eliten verschafft. Eine bisweilen doppelbödige Politik nationaler Eliten in Politik und Medien, deren Handlungen oftmals bewusst Brüssel wie Straßburg diskreditieren, kommt hingegen nur am Rande vor. Letzteres wäre gerade in einem österreichischen Kontext eine interessante Fragestellung.

Herwig G. Höller in FALTER 8/2009 vom 20.02.2009 (S. 48)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb