Tulpenwahn
Die verrückteste Spekulation der Geschichte

von Mike Dash, Linda Stift

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Verlag: Claassen
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 3/2000

Wie in den Niederlanden die Tulpen zu spektakulär überbewerteten Spekulationsobjekten wurden - und was daraus zu lernen ist.
Wenn Wirtschaftsjournalisten vor überbewerteten Internet-Aktien warnen wollen, dann verweisen sie oft auf eine Geschichte, die sich vor über 360 Jahren abgespielt hat. Damals wurde in Holland mit Tulpen, Tulpenzwiebeln und sogar Teilen einzelner Gewächse spekuliert. Einige Exemplare der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich eingeführten Blumen erzielten damals höhere Preise als ganze Stadthäuser. Zeitgenössische Maler verdienten sich mit Tulpen-Katalogen ein Zubrot. Blumenbeete lockten Diebe und Spione.
Heute weiß man, dass die damals teuersten Züchtungen durch einen mittlerweile ausgerotteten Virus verursacht wurden, der die an sich robusten Berggewächse zwar schwächte, aber spektakuläre Färbungen hervorrief. Was bislang als gesichert galt - dass nämlich der fast hundertprozentige Preisverfall und zeitweilige Zusammenbruch des Tulpenhandels Holland in eine Rezession gestürzt habe -, darf aber getrost als Übertreibung abgelegt werden.
Nur wenige tausend Personen hatten sich an den Spekulationen beteiligt. Auf kurze Sicht blieben die rund um Haarlem konzentrierten Züchter zwar auf ihren überbewerteten Gewächsen sitzen. Doch das während der Tulpenmanie gewonnene Wissen und ihr quer durch Europa verbreiteter Ruf haben sie bis zum heutigen Tag als führende Blumenexporteure etabliert.
Der Verlagstitel ("verrückteste Spekulation der Geschichte") lässt zwar das Gegenteil befürchten. Doch der englische Historiker und Journalist Mike Dash hat den Mythos beredt auseinandergenommen, ohne sich die Geschichte kaputtmachen zu lassen. So einzigartig, wie mitunter behauptet, war der Fall nämlich nicht. Schon 1615 waren am Hof von Frankreich Tulpen als Schnittblumen zu irrwitzigen Preisen gehandelt worden.
Ziemlich genau ein Jahrhundert nach dem berühmten Tulpenwahn erzielten in Holland Hyazinthen Rekordpreise, bis Drucker die alten Pamphlete wieder auflegten und die Spekulanten zur Vernunft trieben. 1838 kosteten Dahlien in Frankreich die Welt. Noch 1985 lösten Rote Spinnenlilien (Ju Zi Lan) in China eine Preisrallye aus. Ob chinesische Wirtschaftsjournalisten bei amazon.com an Ju Zi Lan denken, hat Dash leider nicht eruiert.

Stefan Löffler in FALTER 3/2000 vom 21.01.2000 (S. 54)


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