Erde und Asche

von Atiq Rahimi, Susanne Baghestani

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Claassen
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 17/2002

"Leute, lest dieses Buch!" Sagt Daniel Cohn-Bendit. Ja, dann wollen auch wir wissen, "Wovon die Wölfe träumen". Der Roman beginnt mit dem ersten Mord des Protagonisten. Der junge Nafa Walid, der aus der Kasbah von Algier und aus eher ärmlichen Verhältnissen kommt, macht Karriere innerhalb der islamistischen Hardcore-Szene, die nicht nur damit beschäftigt ist, Künstler und Kommunisten zu liquidieren, sondern auch die Konkurrenz aus dem Weg zu räumen. Yasmina Khadra, der eigentlich Mohammed Moulessehoul heißt und sein Pseudonym erst im französischen Exil lüftete, erzählt hier holzschnittartig und psychologisch nicht besonders stimmig die Geschichte seines Helden, der als Chauffeur die Dekadenz und die Macht der Superreichen Algiers kennen lernt und so den Radikalen in die Arme getrieben wird. Die schauen ("mit brennendem Blick und gesträubtem Bart") finster drein und verhalten sich ebenso. Ein blumig-blutiger und mit klischeehaften Nebenfiguren vollgeräumter Roman zeigt einmal mehr, dass Fundamentalisten 1.) nicht vom Himmel fallen und 2.) zum kollektiven Verzehr von Steinobst kaum geeignet sind.Viele der radikalen Algerier haben in Afghanistan gegen die Sowjets gekämpft. Irgendwann während dieses Krieges spielt auch "Erde und Asche". Gewalt findet bei Atiq Rahimi, der 1984 nach Frankreich floh, aber nicht als Live-Action, sondern nur in der Erinnerung und Vorstellung des alten Dastagir statt, der sich mit dem ertaubten Enkel auf den Weg zu seinem Sohn Murad macht. Sowohl Murads Frau als auch seine Mutter sind bei einem Angriff auf das Dorf umgekommen. Dastagir nun fürchtet die Wut Murads, der zur Rache verpflichtet wäre, ist aber schwer verstört, als er erfahren muss, dass die schlimme Nachricht längst angekommen ist, ohne dass sein Sohn reagiert hätte. Rahimis Romandebüt ist ein poetisches, aber unprätentiöses Buch, das unser Bild von Afghanistan (staubig und trostlos) auch nicht grundlegend verändern wird, aber auf eindringliche Weise vermittelt, wie Geschichte über die Menschen hinwegschreitet, die erst gar nicht zu hoffen brauchen, in den Genuss etwaiger Fortschrittsgewinne zu kommen.

Klaus Nüchtern in FALTER 17/2002 vom 26.04.2002 (S. 66)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Wovon die Wölfe träumen (Yasmina Khadra, Regina Keil-Sagawe)

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