Yeats ist tot
15 Autoren schreiben einen sehr irischen Roman

von Joseph O'Connor

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: List
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 45/2001

Mit "Yeats ist tot!" haben 15 irische Autoren gemeinsam - oder besser: gegeneinander - einen hochkomischen Kriminalroman geschrieben.

Schriftsteller sind bekanntlich egoistische Zeitgenossen, die für ein gelungenes Buch die eigene Großmutter verkaufen würden. Da liegt es nicht unbedingt nahe, gemeinsame Sache mit Kollegen zu machen. Und doch gibt es immer wieder Beispiele für kollektive Schreibprojekte: von Arbeiten der Fluxus-Künstler bis zu jenem wöchentlichen Fortsetzungsroman, den 52 Autoren vor zwei Jahren für die Zeit verfassten (und der bewies, wie wenig sich ein Schriftsteller für die Texte seiner "Vorgänger" interessieren kann). Dazu sind in den letzten Jahren mithilfe des Internets eine Reihe gemeinsam verfasster Hypertextarbeiten entstanden.

Im Vergleich zu den angeführten Beispielen ist "Yeats ist tot!", ein Kollektivroman von 15 der bekanntesten irischen Schreiber (deren Tantiemen am Buch alle an Amnesty International gehen), geradezu konventionell. Formal, wohlgemerkt. Denn inhaltlich geht es in dem absurden Dubliner Kriminalroman von Roddy Doyle, Conor McPherson, Gene Kerrigan, Gina Moxley, Marian Keyes, Anthony Cronin, Owen O'Neill, Hugo Hamilton, Joseph O'Connor, Tom Humphries, Pauline McLynn, Charlie O'Neill, Donal O'Kelly, Gerard Stembridge und Frank McCourt äußerst turbulent zu.

Das erste Opfer ist Startautor Roddy Doyle. Dachte er sich doch einen schönen Anfang um die ungewollte Ermordung eines heruntergekommenen alten Mannes durch zwei Polizisten aus. Zwei tragikomische Figuren, die durchaus über einiges Potenzial verfügt hätten. Doch die Handlung wurde nicht so weitergesponnen, wie sich das Doyle wohl erhofft hatte, meinte er doch über das fertige Buch: "Es war ein bisschen so, als käme man nach Hause und stellte fest, dass der Babysitter die Kinder umgebracht hat. Alle meine liebevoll erschaffenen Charaktere waren bis Seite 17 gestorben."

Für den Leser stellt sich die Situation ganz anders dar. Denn gerade die Respektlosigkeit, mit der die Autoren die Einfälle ihrer Vorgänger behandeln, trägt ganz entschieden zum Lektürevergnügen bei: Ganz offensichtlich versucht jeder, seine Kollegen in Sachen Einfallsreichtum und Komik zu übertrumpfen.



Die Kapitel kreisen um zwei nur scheinbar harmlose ältere Damen, die mit ihren kriminellen Machenschaften halb Dublin kontrollieren, und um die Hinterlassenschaft des ersten Opfers: 601 in einer rätselhaften Schrift verfasste Seiten unter dem Motto "Y8S = +!" ("Yeats is dead!"), die unter anderem für ein verschollenes Manuskript von James Joyce und für eine bahnbrechende chemische Formel gehalten werden, weswegen auch alle Protagonisten hinter ihnen her sind: ein liebeskranker Polizist, ein Bisexueller mit Rasta-Tick, eine männermordende Justizministerin, eine sexuell ebenfalls äußerst aktive Nonne, ein geldgeiler Literaturwissenschaftler. Die Auflösung dieses hoffnungslosen Knäuels an Handlungsfäden gelingt dennoch - ebenso wie die Entschlüsselung des Manuskripts.

Für kollektive Schreibprojekte gilt: Sie sind nur so gut wie ihr schwächster Beitrag. In diesem Sinne stellt "Yeats ist tot!" - auch wenn man die Leistungen von Joseph O'Connor und Frank McCourt, die als Herausgeber respektive Schlussautoren naturgemäß um die Zusammenführung der einzelnen Stränge bemüht waren, herausheben muss - ein gelungenes und hochkomisches Beispiel für diese literarische Form dar.

Sebastian Fasthuber in FALTER 45/2001 vom 09.11.2001 (S. 66)


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