Kultur

von Terry Eagleton

€ 20,60
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Übersetzung: Hainer Kober
Verlag: Ullstein Buchverlage
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Philosophie, Religion/Philosophie
Umfang: 208 Seiten
Erscheinungsdatum: 08.09.2017


Rezension aus FALTER 51-52/2017

Kultur muss die Hand beißen, die sie füttert

Seine größte Breitenwirkung erreichte der marxistische Literaturwissenschaftler Terry Eagleton, geb. 1943, mit seiner „Einführung in die Literaturtheorie“, 1988 auf Deutsch erschienen und heute noch ein Standardwerk. Doch im Zentrum seines Interesses – kaum überraschend für einen Schüler von Raymond Williams, einem der Begründer der Cultural Studies – steht der Begriff der Kultur. Nach der Auseinandersetzung mit der Skepsis und dem Relativismus des Poststrukturalismus in „The Idea of Culture“ (2000) und der Analyse des spirituellen Bankrotts der kapitalistischen Welt in „Der Tod Gottes und die Krise der Kultur“ (dt. 2015) entwirft er nun das weite Spektrum dessen, was in der Neuzeit unter Kultur begriffen und ihr entgegengesetzt wurde – etwa Natur, Barbarei und Zivilisation.
Nicht um ein „wahrstes Wesen“ geht es dem Autor, sondern um den „richtigen“ Gebrauch des Begriffs. Die Berufung auf Kultur soll nicht zu elitärer Traditionsverwaltung einer „Hochkultur“ oder zum Schutz eines ideellen Heimatraums führen. Aber ebenso soll verhindert werden, dass das sogenannte Kulturelle von den globalisierenden Tendenzen einer alles verschlingenden Unterhaltungsindustrie der „société du spectacle“ absorbiert wird.
Die Kulturkritik, vor allem in ihrer Form als Kulturpessimismus, trennt Kultur und Politik. Kulturpolitik von heute dagegen reduziert das eine auf das andere. Man müsse aber beide in ihrer komplexen Beziehung zueinander begreifen – Gedankengänge, die der Autor den Überlegungen Edmund Burkes entlehnt, einem Repräsentanten der anglo-irischen Gesellschaftsschicht mit ihrer doppelten Minderheitenstellung (als Protestanten in Irland bzw. als Briten zweiter Klasse).
Aus jenem Milieu, dem Eagleton (wie Swift, Shaw und Wilde) selbst entstammt, schöpft er seine geistreichsten Beispiele, Analogien voll britischem Sarkasmus, und plädiert diskret, doch überzeugend für einen Umgang, der das emanzipatorische und progressive Potenzial einer Idee der Kultur freilegt. „So gesehen ist es die Rolle der Kultur, die Hand zu beißen, die sie füttert.“ So anspruchsvoll wie vergnüglich!

Thomas Leitner in FALTER 51-52/2017 vom 22.12.2017 (S. 36)


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